Krauseneck, Gustav Adolf

Gustav Adolf Krauseneck an Ernst Haeckel, Triest, 18. November 1891

DR. G. A. KRAUSENECK.

ADVOCAT.

TRIEST, am 18.XI.1891.

Hochverehrter Herr Professor!

Nehmen Sie meinen innigsten Dank entgegen für Ihre mich mit größter Freude und Stolz erfüllende Liebenswürdigkeit, welche mich zum Besitzer eines so besonders werthvollen Exemplars Ihrer Anthropogenie macht. Ich hoffe, daß ich sehr bald die Zeit finde, das schon früher gelesene, herrliche Buch in seiner neuen Gestalt wieder darzunehmen; einstweilen habe ich in dem Schlußwort des Juris Doctors meine Freude gehabt.

Wenn die Perfidie von His & Consorten nicht so klar wäre, könnte man fast || Mitleid mit ihnen empfinden; denn durch dieses Plaidoyer dürfen sie wohl als abgethan betrachtet werten. Wer ein Herz hat für die Größe der durch Ihre Schriften dem menschlichen Erscheinen gewordenen Bereicherung, muß dieser Abwehr, als einzig möglicher Antwort, voll zustimmen. Ein gerichtliches Dagegen würde ein Unglück geworden sein und so kann kaum noch etwas gesagt werden, worauf Sie nicht im Voraus geantwortet hätten & worauf Ihr Freund nicht rathen könnten: Laßt Sie gehen! Sind Tiefenbacher, Gevätter, Schneider und Hausschuhmacher!

Gerade in diesem Moment wird Ihnen die Wahl in die Münchner Akademie || eine besondere Genugthuung sein und man kann Ihnen dazu herzlich Glück wünschen.

Große Freude macht uns Allen der in Aussicht gestellte Besuch mit Ihren Damen & hoffen wir, daß Sie nicht gar zu eilig sein werden. Vielleicht führt die Hochzeitsreise Ihres Fräul. Tochter sie auch in unsere Nähe? Zunächst möchten wir sehr gern den Tag der Vermählung kennen und um Erlaubnis bitten, im Geiste den Tag mitfeiern zu dürfen & ein Glas zu leeren auf das Wohl des jungen Paares, seiner Stammeseltern und die jüngere Entwicklungsgeschichte!

Daß Sie meine Schwiegereltern in Baden getroffen, freut mich sehr. Kopf erkrankte dort nicht unbedenklich & auch sonst ist er durch die Verlobung meiner Schwägerin || Martha in einer etwas trostlosen a Stimmung. Der Bräutigam, Bildhauer Berwald-Schwerin, ist auch jung, aber ein talentvoller ehrenwerter Mensch & so läßt sich ja einen Succeß erwarten.

Wir sind Alle wohlauf und, die Eltern namentlich, erfreut durch die Versetzung meines Schwagers Oberst Riegg zunächst hieher und dann nach Pola, wodurch wir Alle vereint sind.

Empfehlen Sie, bitte, meine Frau & mich bestens Ihrem ganzen Hause und mit den herzlichsten Grüßen auch meiner Eltern & Valentine bin ich immer

Ihr in wärmster Verehrung

ergebener

Gustav Krauseneck

a gestr.: Zu

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
18-11-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27781
ID
27781