Leydig, Franz

Franz Leydig an Ernst Haeckel, Tübingen, 5. Februar 1866

Hochverehrter Freund!

Durch Übersendung des Portraits von Darwin haben Sie mir eine große Freude bereitet. Meinen besten Dank dafür! Auch Ihre Arbeiten über Geryonide, foscile [!] Medusen, habe ich seiner Zeit richtig erhalten, bina leider aber immer nicht dazu gekommen, Ihnen meinen Dank zu sagen, was Sie entschuldigen mögen, da ich eben ein lässiger Briefschreiber bin. Sehr gespannt bin ich auf Ihr allgemein zoologisches Werk und wünsche dessen baldiges Erscheinen.

Ad I der von Ihnen gestellten Fragen:

Der Gesammtetat für Zoologie u. vergleichende Anatomie beträgt 1475 fl, in folgender Verteilung:

Präparator 650 fl

Diener 175 fl ||

Heitzung 100 fl

Schreibmaterialien 10 fl

Cabinetsgegenstände 100 fl

Unterhaltung derselb. 125 fl

Instrumente u. Gerätschaften 200 fl

Allerlei Arbeit u. Taglohn 115 fl

Seltsame Vertheilung das! werden sie denken; weshalb ich bemerke, daß nur der Ansatz für Präparator u. Diener von mir herrührt, das übrige aber dem organisatorischen Talent einer frühern Zeit angehört. Die Function des Dieners ist das Einheitzen u. Reinigen der Räume (abgesehen von den zwei großen Hauptputzacten, welche jährlich während der Ferien abgehalten werden u. wozu ebenfalls altem Herkommen gemäß ein halb dutzend Wäschereien für nöthig erachtet werden.)

Selbstverständlich muß der Diener noch andre Erwerbsquellen haben, da sich mit 175 fl nicht leben läßt.

Ad II, literarischesb Museum betreffend.

Auf diese Frage werde ich keine rechte Antwort || geben können. Das hiesige „Museum“, das Äquivalent der Würzburger Harmonie, ruht auf breiter demokratischer Grundlage, der Art, daß die Studenten ordentliche, stimmberechtige Mitglieder sind. Da sie natürlich die Majorität haben, so spielen sie die erste Rolle und die Literatur des Museums erhält dadurch eine bestimmte Färbung. So sind sie zB. der Ansicht, daß naturwissenschaftliche Zeitschriften arger Luxus seien, weßhalb denn auch Uhle’s: „Aus der Natur“ diesen ganzen Zweig einzig und allein repräsentirt. Unter den Professoren existiren mehrere Lesecirkel, wobei jedes Mitglied zwei Zeitschriften zu halten hat, so bei den Medizinern. Da auch in diesem letztern Lesekranz keine naturwissensch. Blätter gehalten werden, so bin ich seit längerer Zeit bei dem Journalisticum von Weiße in Stuttgart abonnirt, was aber wegen des Hin- u. Herschickens mir anfängt sehr lästig zu werden. Sie merken lieber Freund wohl, daß wir in diesem Punct kaum etwas haben, was Nachahmung verdient. ||

Sie sind so freundlich, sich nach meinen Arbeiten zu erkundigen. Ich suche mich gegenwärtig mit zoologisch-zootomischer Arbeit über unsre einheimischen Schnecken zu amüsiren, so gut es gehen will.

Mit herzlichem Gruß. Bitte auch Gegenbaur zu grüßen.

Leydig.

Tübingen d. 5 Febr. | 1866.

a eingef.: bin; b korr. aus: litterarisches

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
05-02-1866
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27758
ID
27758