Leydig, Franz

Franz Leydig an Ernst Haeckel, Tübingen, 22. Februar 1864

Tübingen d. 22. Juli | 1864

Verehrter Freund!

Mit innigster Theilnahme habe ich aus Ihrem Briefe die Nachricht erhalten, daß Ihre liebe Frau Ihnen durch den Tod entrissen wurde. Welch trauriges Erlebniß! Da ich wenig unter die Leute komme, wußte ich nichts davon.

Für die Photographie meinen besten Dank; ich erlaube mir die meinige beizuschließen.

Die neueste Blüthe Köllikerscher Thätigkeit habe ich noch nicht zu Gesicht bekommen, ich erhalte die Zeitschrift immer sehr spät. || Indessen Kölliker gilt bei den Morphologen und Physiologen der Gegenwart allzusehr als ein Mann von Talent, Wissen und eleganter Feder, als daß ihm nicht auch eine Bekämpfung Darwin’s zur Verherrlichung gereichen sollte.

Daß Sie mit Freund Gegenbaur gute Genossenschaft halten, freut mich, ebenso daß Sie in seiner Begleitung nach Helgoland gehen werden. Ich werde wahrscheinlich die kommenden Ferien in meiner Heimath (Rotenburg o. d. Tauber) zubringen.

Meine Neigung zur Darwin’schen Theorie hat mir schon manche Verdrießlichkeiten || zugezogen u. es giebt mir viel zu denken, wie selbst Männer wie Mohl, dem es an Schärfe des Verstandes wahrlich nicht gebricht, indes nur darin „Phantasterie, Humbug, Blödsinn“ erblicken!

Schönstens grüßend

Leydig.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22-02-1864
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27757
ID
27757