Leydig, Franz

Franz Leydig an Ernst Haeckel, Tübingen, 6. November 1862

Tübingen d. 6. Nov. 1862.

Verehrter Freund!

Ich wünsche Ihnen vor Allem zu Ihrer Verheirathung Glück! Vielleicht wirkt das gute Beispiel nach und nach auch auf den „Onkel“ Gegenbaur.

Es freut mich sehr zu hören, daß es Ihnen vortrefflich geht und daß Sie wackere Collegen haben; es scheint mir überhaupt, als ob man in Jena ein recht behagliches Leben führen kann.

Jetzt wo ich in Ihrem Prachtwerke anfange mich auch um die Namen der Thiere zu bekümmern, habe ich entdeckt, || daß Sie bei dem Reichthum, den Sie zu vergeben hatten, auch meiner gedachten. Für diese freundliche Gesinnung spreche ich meinen Dank aus.

Wenn ich Ihren freundlichen Antrag bezüglich mariner Wirbellosen recht verstehe, so verfügen Sie über so viel Material, daß Sie davon abgeben können. Da nun die hiesige Sammlung sehr wenig oder fast nichts nach dieser Richtung besitzt, so erlaube ich mir anzufragen, ob Sie uns etwas verkaufen wollen. Für den Fall, daß Sie dazu geneigt sind würde ich bis zu 50 fl bestellen. Es ist Alles recht: Weichthiere, namentlich Cephalopoden, Salpen, Heteropoden, Larven, Krebse, Würmer, kurz was Sie für genannte Summe abzugeben für gut finden. ||

Ob ich je einmal von Ihrer gütigen Einladung nach Jena Gebrauch zu machen in die Lage kommen werde, wissen die Götter. Lassen Sie sich lieber bald in Tübingen sehen! Auch nach Stettin werde ich schwerlich kommen, so sehr ich auch den Wunsch hege Land und Leute des deutschen Nordens einmal kennen zu lernen.

Ein Exemplar der „Daphniden“ habe ich heute der Fues’schen Buchhandlung zur Beförderung nach Jena übergeben.

Mit bestem Gruße

Ihr ergebenster Leydig.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
06-11-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27756
ID
27756