Leydig, Franz

Franz Leydig an Ernst Haeckel, Würzburg, 8. Januar 1857

Würzburg d. 8. Jan. 57.

Lieber Freund Häckel!

Für Ihren freundlichen Brief sage ich besten Dank, es war mir sehr angenehm, von Ihnen wieder einmal etwas zu hören und zu erfahren, daß Ihnen diesmal Italia benedetta besser gefallen hat, als auf der ersten Reise. Sie scheinen auch hübsche Ergebnisse aus Ihren Krebsstudien davon getragen zu haben und ich sehe mit Spannung auf das Erscheinen Ihrer Dissertation. Mich haben während meines Aufenthaltes an den Seen des bairischen Hochlands äußre Umstände auf das Studium der Entomostraca hingeführt und da ich Ihrem Briefe entnehme, daß Sie vor der Hand wenigstens sich nicht mit diesen Thierchen abgeben, so will ich noch das kommende Frühjahr und den Sommer dazu verwenden die Cladocera der hiesigen Gegend nach Form u. Bau kennen zu lernen, vielleicht das sich daraus ein Traktatus für das Archiv unsres Polarsterns a am naturwissenschaftlichen Himmel anfertigen läßt. ||

Sie fragen nach dem Autor, der zuletzt die Entwicklung des Krebses studirt hat. Es ist Lereboullet, die Abhandlung steht wahrscheinlich in den Mèm. de la Soc. d. Mus. d´Hist. natur. d. Strasbourg Jahrg.? Es kommt so viel ich weiß jetzt die Zeit, um Krebseier, welche in der Entwicklung begriffen sind, zu erhalten. Nach Ihrer Mittheilung herrscht eine sehr rege Thätigkeit unter den Zootomen Berlins; was hat denn Lavalette für Reiseblüthen gehabt? er ist in Sturm und Regen von Schliersee abgereist, angeblich um nach Nizza zu gehen, da er nun dort nicht erschien, so habe ich freilich Angst gehabt, es möchte ihm etwas passirt sein. Doch er sitzt jetzt friedlich hinter Gammarus!

Mit freundschaftlichem Gruße

Ihr ergebenster

Leydig.

Haben Sie die Güte auch Lachmann u. Lavalette von mir zu grüßen!

a gestr.: unsres

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
08-01-1857
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27753
ID
27753