Philipp Lenard an Ernst Haeckel, Heidelberg, 1. November 1918

PROF. DR. LENARD

HEIDELBERG 1. Nov. 18.

NEUENHEIMERLANDSTR. 2

Hochgeehrter Herr Kollege und sehr verehrter Altmeister der Biologie!

Mit grossem Bedauern habe ich aus dem soeben erhaltenen sehr gütigen Schreiben ersehen, wie sehr ich mit meiner Anfrage an Sie zur Unzeit kam. Dass Sie dieselbe trotzdem eingehend und mit wertvollen Ratschlägen beantwortet haben, kann gar nicht genug bedankt werden. Ich hoffe gar sehr, in nicht zu übles Andenken bei Ihnen gekommen zu sein ob der Bemühungen, die || mein Brief für Sie gebracht hat und die ich der erste gewesen wäre fernzuhalten und durch Umwege Ihnen zu ersparen, wenn ich die näheren Umstände gekannt hätte. Sie werden es mir gewiss in Güte verzeihen, dass dies nicht der Fall war.

Ich wünsche von Herzen, dass die Krankheit bald weichen möge und der Körper, wenn auch mit Einschränkung, dem klaren Geist sich weiter fügt. Es ist schön und von hohem Werte für die Jüngeren, vollendete Gestalten der Geisteswelt lange || am Leben bei sich zu haben, und aus diesem Gefühl war auch mein Brief gekommen.

Deutschland soll Ihnen noch die Freude machen – wenn auch der davongejagte Geist Bismarcks notwendigerweise sich rächen muss –, dass alle Deutschen jetzt endlich, soweit sie es wirklich noch sind, vereinigt werden und zusammenstehen. Das jämmerliche Habsburgerreich ist aufgelöst!

In aller Verehrung und mit wiederholtem Danke und besten Wünschen

Ihr

ergebener

P. Lenard.

Brief Metadaten

ID
27573
Gattung
Brief ohne Umschlag
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Datierung
01.11.1918
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
3
Umfang Blätter
2
Format
13,3 x 16,9 cm
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 27573
Zitiervorlage
Lenard, Philipp an Haeckel, Ernst; Heidelberg; 01.11.1918; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_27573