Lehmann-Russbüldt, Otto

Otto Lehmann- Russbüldt an Ernst Haeckel, Schmargendorf, 28 . April 1912

Schmargendorf , DEN 28.IV.1912

Excellenz,

Bei dem Wohlwollen, mit dem Ew. Excellenz mir gegenübergestanden haben, erlaube ich mir, an Hand zweier Dokumente um Hilfe in einer bedrängten Situation zu bitten.

Endlich sieht der Monistenbund ein, wie wichtig die Kirchenaustrittspropaganda ist. Man will uns 100 Mk monatlich auf ½ Jahr bewilligen, ebenso haben Herr Fabrikbesitzer Carstens, der Vorsitzende der Hamburger Ortsgruppe und wieder Herr von Tepper-Laski zugesagt, für eine Liste zu zeichnen. Auch Herr Geheimrat Ostwald hat mir Anfang April durch einen Honorarvorschuss auf das „Monistische Jahrhun der t“ geholfen. Ich sitze jetzt Sonntags und Alltags || und arbeite, habe aber für 115 Mk Pfandscheine in der Tasche, da ich oft bitterste Stunden schmecken muss.

Immerhin bin ich frisch und wohlgemut und vertraue auf meine Arbeit.

Nun bitte ich Ew. Excellenz nicht direkt um eine Unterstützung. Aber giebt es nicht Stiftungen in Jena, die mir auf Ew. Excellenz Fürsprache hin zum 1. Mai eine Unterstützung gewähren würden? Ich muss ruhig arbeiten können. Dann kann ich viel leisten. Ich habe meine Hülfskräfte erschöpft . Ehe die Verhandlungen mit München und Hamburg abgeschlossen sind, kann ich längst wieder vor einer Katastrophe stehen. Ich müsste einmal mit 500 Mk Extra einnahme rechnen können, um Schulden zu bezahlen, die sich nicht aufschieben lassen. Sonst lebe ich ja sehr einfach. – Ich bitte Ew. Excellenz, mir diese vertraulichen Worte in keiner Weise zu verübeln. Ich arbeite wirklich Tag und Nacht, Sonntags und Alltags. – Mit allerbesten Wünschen für Ew. Excellenz Wohlbefinden

OttoLehmann-Russbüldt

Die Einlagen des Briefes erbitte ich gütigst zurück. a

a Nachsatz am linken Rand von Seite 2: Die Einlagen… gütigst zurück.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
28-04-1912
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27472
ID
27472