Lang, Arnold

Arnold Lang an Ernst Haeckel, Zürich, 15. November 1891

Zürich 15ten Nov. 1891.

Verehrter und lieber Lehrer!

Endlich komme ich dazu Ihren liebenswürdigen Brief vom 18ten October zu beantworten. Als um die Mitte October Tag für Tag verging, ohne dass Sie sich zu den erhofften Besuch einstellten, stellte sich bald die Befürchtung an, dass es uns in diesem Jahre nicht besser ergehen werde, als im Vergangenen. Die Enttäuschung entsprach der Freude, die uns Ihr Besuch verschafft hatte. Wir hoffen nur, dass Sie nächstes Jahr nicht so grausam sein werden! Meinen herzlichsten Dank für || das prächtige Geschenk der neuen Auflage der Anthropogenie. Ich weiss nicht was ich mehr bewundern soll, die Meisterschaft in der unvergleichlich schönen Darstellung oder das Geschick und den Gesichtspunkt, von dem aus Sie die so zahlreichen neuen Forschungsergebnisse verwerthet haben. Es wäre Anmassung meinerseits Ihnen zu dem Werke Glück zu wünschen!

Hoffentlich sind Sie jetzt von dem ärgerlichen Fussleiden wieder ganz hergestellt. Mit Freude erfüllte es mich zu vernehmen, dass die Operation, der sich || Ihre verehrte Frau Gemahlin unterziehen musste, von so guten Folgen begleitet ist.

Ich habe während der Ferien stramm am Lehrbuch gearbeitet und bin nun mit den Mollusken fast fertig. Von nun an wird es rasch vorwärts gehen, da die schlimmste Zürcher Zeit wohl nun doch hinter mir liegen dürfte.

Dieser Tage schicke ich Herrn Geh. Rath Müller eine kleine Arbeit für die Jenaische Zeitschrift. Ich bilde mir ein durch diese Arbeit das Problem der Asymmetrie des Gastropodenkörpers und einige andere Probleme der Molluskenmorphologie der Lösung näher gebracht zu haben. ||

Meiner Frau und Rosa Lilia geht es gut. Die Jüngste macht uns einige Sorge, wegen einer noch nicht diagnosticirten Geschwulst am Halse, welche vielleicht eine Operation nöthig macht.

Wir hatten bis jetzt herrliches Spätherbstwetter und noch keinen Schnee. Die Sonne brannte heute früh wie im Sommer.

Erinnern Sie Bardeleben an die zahlreichen Flaschen Champagner, die Boulanger’s Untergang flüssig gemacht hat. Empfehlen Sie mich den Weisen des unvergesslichen Referirabends und empfangen Sie selbst, wie Ihre verehrte Familie, die herzlichsten Grüsse und Wünsche von Ihrem getreuen

Arnold Lang

Beste Grüsse an Kükenthal! Dito an Geh. Rath. Pohle!a

a Text weiter am linken Rand von S. 4: Beste … Pohle.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
15-11-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 27167
ID
27167