Ehlers, Ernst

Ernst Ehlers an Ernst Haeckel, Göttingen, 12. November 1895

Göttingen 12.XI.1895.

Lieber Haeckel!

Auch Sie sind so freundlich gewesen meiner bei Anslass des sechszigsten Geburtstages zu gedenken und mir den 2t Band Ihrer anregenden systematischen Phylogenie zu bescheeren. Nehmen Sie dafür meinen besten Dank, und wie ich Ihren Namen auch unter der Glückwunsch-Depesche der jenenser Naturforscher finde, darf ich Sie wohl bitten, den dort verzeichneten Collegen in meinem Namen herzlich zu danken. Ich bin über-||rascht durch so viel Freundlichkeit und beschämt, da ich nicht recht weiss, wie ich dazu komme oder womit ich sie etwa verdient habe. Darum ist meinDank nicht weniger aufrichtig gemeint.

Ich erfahre mit Bedauern aus Ihrem Briefe, dass Sie von Krankheit und Schmerzen heimgesucht gewesen sind. Die trübe und etwas gallig schmeckende Stimmung, die aus Ihrem Briefe hervortritt, entspringt wohl noch diesem Umstande. Ich denke, Sie leben nach dem Spruche Göthes, wie man sich ein hübsches Leben zimmere, am besten; zumal dass man sich um das Vergangene || nicht kümmere. Es ist das nur leichter gesagt als gethan. Das erfahre ich am besten an mir selbst, und darf daher anderen nicht predigen wollen.

Auch Freund Allmers ist, wie ich höre, im Sommer an einer Magenblutung nicht unbedenklich erkrankt gewesen. Ich sah ihn zufällig zu Ausgang September im Vorübergehen in München, ohne ihn anreden zu können. Da machte er einen frischen gesunden Eindruck.

Nochmals meinen besten Dank und herzlichen Gruss in alter Gesinnung von

Ihrem

E. Ehlers.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
12-11-1895
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 2714
ID
2714