Eggeling, Heinrich von

Heinrich von Eggeling an Ernst Haeckel, Jena, 4. Oktober 1901

Jena 4/10 1901

Hochverehrter Herr Professor!

Sehr lieber Freund!

Mit herzlicher Freude habe ich gestern Abend Ihre Karte begrüßt, die mir die Meldung brachte, daß Sie heimgekehrt sind nach Europas Gestaden. Da Sie noch vier Wochen nach Baden gehen wollen, muß ich leider annehmen, daß Sie von dem bösen Unfall in Sumatra, über den ich erst vor 4 Tagen von Professor Walther unterrichtet bin, noch nicht genug hergestellt sind, trotz des Inhalts ihrer Karte, daß Sie „wohlbehalten“ zurückgekehrt seien. || Von ganzem Herzen wünsche ich, daß der Aufenthalt im lieblichen Baden alle Reste des Leidens von Ihnen nehmen möge und daß Sie ganz frisch und gesund in vier Wochen heimkehren; ich erwarte Sie mit großer Sehnsucht! Unendlich freue ich mich auch darauf, wieder in Ihr Auge zu sehen, aus Ihren Erzählungen noch mehr zu schöpfen, als aus den hübschen Reisebriefen in der Rundschau, für die ich herzlich danke, und mit Ihnen von Allem zu plaudern, was uns Beide angeht und erwärmt. Hoffentlich können wir dann recht bald unseren gewohnten Spaziergang auf den Forst machen und Asarinen und alle sonstigen Frühlingspflanzen suchen. Vielleicht kommt es dann endlich auch || zu einer Wiederholung des Spazierganges, den wir alljährlich planten, ohne doch jemals sie auszuführen.

Viel 1000 mal willkommen zurück!

Von uns ist nicht viel Neues und sonst besonders Gutes zu melden. Ich habe das letzte Vierteljahr fast immer mit Katarrh und mehr oder weniger heftigen Influenzaanfällen zu thun gehabt. Meine arme Frau war fast immer durch ihr Asthma an das Zimmer gefesselt. Sie hat sich denn vor 8 Tagen schnell entschlossen mit dem Erstgeborenen, den sie in Straßburg abholte, nach Montreux zu gehen, wo sie ihr Asthma alsbald verloren hat und sich sehr wohl fühlt. Ich konnte nicht mit weil ich man-||cherlei Pflichten zu erfüllen hatte, deren Nichterledigung mir den Aufenthalt in Montreux oder vielmehr die zwecklose Bummelei unerträglich machen würde.

Der Tod unseres gutena Großherzogs wird auch Sie betrübt haben. Er war ein guter Fürst, voll heiligem Eifer für alles geistig Hohe, wenn auch das Verständniß nicht immer dem Eifer gleichstand. Der junge Rector magnificentissimus und Großherzog nimmt sich der Regierung mit großer Hingabe an und die Entlassung des Herrn von Pawel ist jedenfalls eine Handlung, die auf richtige Beurtheilung der Menschen schließen läßt. Ich denke mir, daß Sie diesen Verlust und den Schmerz, den Herrn Cultuschef nicht kennen gelernt zu haben, leicht ertragen. Hierzulande ist ihm keine Träne nachgeweint! –

Ich grüße Sie herzlichst und bin und bleibe in treuer Anhänglichkeit und aufrichtiger Verehrung

Ihr Eggeling

a korr. aus: hohen

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
04-10-1901
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 2634
ID
2634