Eggeling, Heinrich von

Heinrich von Eggeling an Ernst Haeckel, Jena, 23. Dezember 1900

UNIVERSITÄTSCURATOR

JENA

Jena 23/ XII 1900

Hochverehrter Herr Professor!

Lieber Freund!

Soeben ging mir ein Ministerialerlaß zu, mit welchem ich beauftragt werde, Ihnen die Darwin-Medaille zu überreichen, die Ihnen von der Royal Society in London verliehen ist bei der am 30 vorigen Monats stattgehabten Preisverleihung, welche in Gegenwart eines auf Wunsch der Gesellschaft anwesenden Vertreters der Kaiserlich deutschen Botschaft erfolgte. Ich gratulire Ihnen herzlichst zu dieser neuen Auszeichnung und werde die Medaille heute Mittag Ihrer Frau Gemahlin übergeben. −

Noch mehr erfreute mich aber gestern Ihr freundlicher Brief vom 26 vorigen Monats, für den ich recht von Herzen danke! Ich hatte schon lange Sehnsucht, einmal direct von Ihnen zu hören, zumal mir nur spärlich Nachrichten über Ihr Befinden und Thun und Treiben zugingen. Daß Sie wieder mit dem Gelenkrheuma zu thun hatten, bedauere ich sehr. Hoffentlich ist dieses Leiden nun längst verschwunden und kehrt nicht wieder! || Sehr bedauerlich, daß Sie in Folge dieses Leidens auf den Besuch der Molukken verzichten müssen. –

Mit Freude las ich aber von Ihren reichen Erfolgen in Singapore und Ihrer glücklichen Situation in Buitenzorg. Möchten Sie all das Schöne doch in rechter Gesundheit und Frische genießen und mit den Ergebnissen ihrer Arbeit ganz befriedigt werden. –

Die Sendung aus Singapore ist noch nicht eingetroffen, wie Prof. Ziegler mir gestern sagte.

Kommen Sie nur recht gesund und frisch und ganz zufrieden zu uns zurück. Die Arme stehen offen, Sie zu empfangen.

Die Einlage für Fürbringer habe ich diesem überbracht. – Ich verstehe noch immer nicht, weshalb Fürbringer doch von uns geht und werde seinen Weggang immer bedauern. –

Maurer ist berufen. Er wird in nächster Woche kommen, um Wohnung zu suchen und das Letzte mit mir etc. zu besprechen. Hoffen wir, daß Maurer seinem Vorgänger in Jena entspricht und daß er versteht, mit Karl von Bardeleben in ein erträgliches Verhältniß zu kommen. Ich habe in dieser Beziehung große Sorge, werde aber meinerseits || Alles thun, um auf eine glückliche Gestaltung des Verhältnisses hinzuwirken. – von Bardeleben ist übrigens eben Generalarzt geworden, ein Pflaster, das die nun aufgerissene Wunde schwerlich heilen wird. –

Sonst ist von Jena nichts Neues zu berichten und was es der Art gab, werden Sie bereits wissen. –

Ich schulde Ihnen noch den Dank für die kleine Schrift Ihres Schülers Schmidt, die Sie mir durch die Verlagsbuchhandlung senden ließen. Ich wünschte Schmidt hätte sich auf die „Synopsis der Besprechungen“ beschränkt, und seine Bemerkungen, sein Kopfschütteln etc. etc. fortgelassen. Er hat doch die Probleme nicht gründlich genug erfasst, um so absprechend zu urtheilen, wie er es in recht volksschulmeisterlicher Weise sich erlaubt. Wenn ich an Sie dachte, so kam mir bei der Lectüre der Schmidt’schen Schrift das Wort auf die Lippen: Gott schütze mich vor meinen Freunden etc. – so, meinte ich, müssen Sie empfunden haben. Das Bestreben unserer Volksbildner, den Volksschullehrern akademische Bildung zu geben, steht in schönster Blüthe. Nicht nur werden hier wieder all-||wöchentlich Vorlesungen für die Volksschullehrer gehalten, an denen auch Damen, und überhaupt Jedermann theilnehmen können, sondern Eucken, Linck und Rein haben am Schluß der Ferien auch einen Ausflug nach Hildburghausen unternommen, wo sie in sechs Tagen in je sechs Stunden den Volksschullehrern (100 und einige) philosophische, zoologische und pädagogisch- didaktische Bildung zu geben suchten! Wie ist es möglich, so unfruchtbare Arbeit zu übernehmen?! Der metallische Beigeschmack der Sache kann es mir allein erklären. – ‒

Ich war im Oktober nochmals in Altenstein, einige Tage und vor 8 Tagen in Meiningen, wo wir am 100. Geburtstage Herzogs Bernhards dem regierenden Herzog für ein Denkmal seines Vaters 100.000 M übergaben, die in wenigen Wochen im Herzogthum Meiningen und sonst gesammelt waren. Der Herzog sprach tief ergriffen und sehr schön. Es geht ihm recht gut! Auch Frau von Heldburg war mit ihrer Gesundheit zufrieden. – Zum Feste sind unsere Söhne gestern Abend bezw. heute früh eingetroffen. Alle die Meinen senden Ihnen mit mir die allerherzlichsten Grüße und die besten Wünsche für das kommende Jahr! Mögen wir im Laufe desselben noch in leidlicher Frische nebeneinander arbeiten und manche glückliche Stunde miteinander erleben.

In der Hoffnung auf ein frohes Wiedersehen, lieber Freund, verbleibe ich mit innigem Gruße und Händedruck Ihr treu ergebener

Eggeling

P. S.

Leider konnte Ihre sehr verehrte Frau Gemahlin mich nicht annehmen, weil sie leicht erkältet war. Dagegen sah ich Ihren Herrn Sohn, über dessen prachtvolles Aussehen und Frische ich mich sehr freute. Ihm händigte ich die Darwin-Medaille ein, die sehr schön, aber leider nicht von Gold, sondern von Silber ist. Herr Walther sagte mir, daß bereits eine 100 Pfund Note eingetroffen sei und daß sie sich über das Fehlen der Medaille gewundert haben. – Ihren Gehalt pro IV Quartal habe ich auf Quittung Ihrer Frau Gemahlin auszahlen lassen und werde es mit der Quote pro I Quartal 1901 ebenso anordnen, obwohl ich nicht von Ihnen hierzu ermächtigt worden bin. Ich glaubte aber wohl mit Recht, solche Ermächtigung annehmen zu dürfen. –

Aus der Reise Verworn-Leo Schulze nach dem rothen Meere scheint in diesem Jahre bezw. Winter || nichts zu werden. Verworn erwartet einen Ruf, der auch, wenn ich recht unterrichtet bin, in der nächsten Zeit kommen muss. Ich freue mich sehr darüber! –

Unser Schwiegersohn ist vor kurzem in der in das Marineamt in Berlin berufen und wird nach Eintreffen seines Nachfolgers im Commando der Gefion, also etwa Ende März wieder hier eintreffen. Dem glücklichen jungen Paar ist die Wiedervereinigung nach 2 ½ jähriger Trennung sehr zu gönnen.

Ihr Herr Sohn sagte mir, daß Frau Elisabeth mit Gatten und ältestema Kind in nächster Woche auf einige Tage kommen werde; Hoffentlich sehe ich sie dann auch endlich einmal wieder. –

Neu wird Ihnen noch sein, daß Seidel seinen pharmakologischen Lehrauftrag niederlegen will; so kommt denn neue Sorge, in Betreff der Vertretung dieses Fachs. Die Ansprüche werden immer größer und die Zuschüsse wachsen nicht dem entsprechend. Wohin kämen wir, wenn nicht Carl Zeiß genannt Abbe uns unterstützte! Nochmals herzinnigsten Gruß

Ihr treuer Eggeling

a ältestem

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
23-12-1900
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 2633
ID
2633