Eggeling, Heinrich von

Heinrich von Eggeling an Ernst Haeckel, Jena, 19. August 1898

Jena 19/ VIII 98

Lieber Herr Professor!

Für die freundlichen Zeilen vom 14 d. M. meinen herzlichen Dank! ‒

Auch mir war sehr leid, dass Sie mich verfehlten und ‒ dass das schlechte Wetter dieses Sommers uns nicht an einem Donnerstage ein behagliches Zusammensein auf dem Forste gestattete. Ich wär schon da geblieben und hätte mich den Nachtvögeln angeschlossen; aber meine Frau verträgt leider kühle Abendluft garnichtmehr und so mußte ich als bekannter guter Gatte immer zeitig mit herunter. Hoffentlich können wir das Versäumte noch nachholen, wenn Sie zurück sind.

Meine Frau ist heute nach Kiel abge-||reist, von wo ich sie mir Ende September zurückzuholen gedenke. Bis dahin bleibe ich hier.

Nach den neuesten Nachrichten scheint gewiss, dass unser Schwiegersohn im Herbste in’s Ausland gesandt wird ‒ wohl auf 2 Jahre! Bitter für die kleine Frau; aber es muss ertragen werden. ‒

Dass Ziegler Ihnen gefallen hat, freut mich sehr. Ich wünsche so recht von Herzen, dass Sie einen guten Griff thun und an dem künftigen Inhaber der Ritterprofessur reine Freude erleben. ‒

Hoffentlich haben weder Sie noch irgend Jemand übel vermerkt, dass ich beim Kükenthal-Abschiedsfest in der Sonne fehlte. Aus Gesundheitsrücksichten muss ich die Theilnahme an solchen Festen ablehnen; diesmal war mir die Feier auch sonst nicht sehr sympathisch. Freilich hätte ich gern || zugehört, welche Reden die Abschiedsfeier begleiteten. ‒

Es ist jetzt unglaublich still ‒ und schön in Jena! Das herrliche Wetter der letzten 14 Tage gestattete viel Ausflüge, die wir gern mit der zum Besuche bei uns weilenden Schwester meiner Frau (Brauns) unternehmen.

In voriger Woche durfte ich auch drei wunderschöne Tage auf dem herrlichen Altenstein zubringen und an zwei Hochwildsjagden theilnehmen, auf denen ich sechs männliche und drei weibliche Hirsche erlegte. Sie sehen, dass ich gegen das weibliche Geschlecht immer rücksichtsvoller bin, nur nicht, wenn sie sich als Männer fühlen und aufspielen wollen ‒ studiren etc. ‒ Augenblicklich ist wieder ein ziemliches Corps Emancipirter hier zu den bekannten Feriencursen. Es war mir ein heiterer Anblick, Professor Schmidt || gestern in solcher Gruppe von Frauenzimmern aller Nationen auf der Straße parveniren zu sehen, mit hoch geschwungenen Schirmen.

Der Herzog und Gemahlin befinden sich sehr wohl. Sie fragten sehr nach Ihnen. In diesen Tagen gehen sie nach dem Kaiser am Königssee und kehren erst gegen Ende Sept. nach Altenstein zurück. ‒

Sonst nichts Neues in Jena. Heinrich arbeitet fleißig an seiner Habilitationsarbeit. ‒ Unser Bernhard erzielt Erfolge im Wettrennen, was den Eltern natürlich immer Sorgen macht; aber der Mann sucht eben in Allem sich hervorthun, was zu seinem metier gehört. ‒

Grüßen Sie, bitte, Herrn Prof. Hertwig freundlichst von mir und andere Bekannte sofern Sie solche treffen. ‒

Kehren Sie gesund und erfrischt zu uns heim!

Auf frohes Widersehen!

Ihr bis immer treu ergebener

Eggeling.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
19-08-1898
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 2624
ID
2624