Möbius, Karl

Karl Möbius an Ernst Haeckel, Kiel, 29. Mai 1881

Kiel, d. 29. Mai 1881.

Verehrter Freund u. Kollege!

Glück auf, nach Ceylon! Wie gern möchte ich mit Ihnen noch einmal den Anblick der Tropenwelt genießen! Wer dort das Meer und seine Thierwelt gesehen und unter Palmen und Bambusen gewandelt hat, verliert die Sehnsucht nach diesen Thier- und Pflanzenparadiesen niemals wieder.

Ich bedauere sehr, Sie in diesem Sommer nicht sehen zu können. Die Pfingstwoche untersuche ich den Zustand der Austernbänke im Wattenmeere und lege Ziegel aus, um einen Versuch zum Einfangen von Austernbrut zu machen. In den Sommerferien habe ich Gärtnereien in Reblausangelegenheiten zu besuchen und eine Arbeit über Fische der Kieler Bucht || fertig zu machen, kann daher nicht ins Gebirge gehen.

Den Wasserbehälter für Seethiersendungen werde ich zu Ihrer Disposition in meinem Institute aufbewahren.

Sie thun recht, keinen Diener mit nach Ceylon zu nehmen. Der Fischer Holm, den ich von Kiel mit nach Mauritius nahm, hat mir beim Sammeln eine Zeit langa gute Dienste geleistet, wurde aber bald widerwillig, weil er sich nicht mehr befehlen lassen wollte, als ich dortige Fischer annahm, denen gegenüber er sich das Ansehen eines mir uebergeordneten Forschers gab. Da ein von hier mitgenommener Diener sich nicht mit andern Leuten unterhalten kann, so quält ihn bald das Heimweh. Mein Holm seufzte jeden Abend nach Bier. Gegenüber diesem Mangel galten ihm alle Herrlichkeiten, die uns entzücken und keine Entbehrungen würdigen lassen, gar nichts. Er rühmte die Kieler Buchen, wenn ich die Palmen pries und wenn ich || mich überb diec köstlichen Temperatur freute, sehnte er sich nach einem hellen Wintertage in Holstein. Durch Empfehlungen englischer Offiziere u. Beamten, die sie überall finden werden, können Sie in Ceylon sicherlich bald brauchbare Diener bekommen. Ich habe vortreffliche Leute gehabt. Sie erhielten ein bestimmtes Monatsgeld und am Ende ihres Dienstes eine Zulage, welche Ihnen beim Engagement versprochen war, wenn sie sich gut führen würden.

Ich habe 12 wollene Hemden u. ebensoviel Oberhemden mitgenommen. Jetzt würde ich außerdem noch 24 Vorhemdchen und einen entsprechenden Vorrath von Kragen mitnehmen. Die wollenen Hemden sind vortrefflich unter einem weißen Piquet- oder Kattunanzug zu tragen. Ein leinenes Hemd über Wolle ist zu warm. Daher Vorhemden besser. Auf der Reise durch das rothe Meer habe ich auf den Rath des Konsuls in Marseille kein Bad genommen, und mich dabei sehr wohl befunden. Für den Besuch der Korallen-||riffe empfehle ich leichte Holzschuhe, d. h. Lederschuhe mit Holzsohlen mitzunehmen. Hier in Kiel hat man solche vorräthig. Sandalen schützen den Fuß nicht hinreichend und wir sind nicht gewohnt, einen Riemen zwischen der großen u. 2. Zehe zu fühlen. Einen für die Tropensonne passenden Hut kaufen Sie sich am besten in Marseille oder Triest. Nehmen Sie einige Schutzbrillen gegen die Helle der Tropen mit. Mir hat auch eine große wollene Decke in kühlen Nächten gute Dienste geleistet. Berliner Handlungen für Reiseutensilien kenne ich nicht. Nachtigal u. a. Reisende werden Ihnen gute Rathschläge geben können.

Ihr freundschaftlich

ergebener

K Möbius

a eingef.: eine Zeit lang; b eingef.: über; c korr. aus: der

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
29-05-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 25715
ID
25715