Merkel, Otto

Otto Merkel an Ernst Haeckel, Bernburg, 24. Januar 1872

Bernburg am 24. Jan. 1872.

Lieber und werther Freund!

Inliegend übersende ich die Skizze eines Oberkiefers, welchen ich vor einigen Wochen fand. Derselbe gleicht in der allgemeinen Form dem Trematosaurus nach Burmeisters Beschreibung mit der Abweichung, daß bei ersterem die Gefäßrinnen, besonders an den Außenrändern anders liegen, daß bei c im Anschluß an die mittleren Rinnen eine Vertiefung vorhanden ist, daß ferner bei a Wölbungen sind die Burmeister nicht angiebt, und daß endlich das Stück b zwischen Mundspitze und Nasenloch kürzer und anders geformt als bei B ist. Die Rinne am hinteren Theile des Schädels sind gar nicht vorhanden und auch die Rinnen am Kieferrande laufen anders. Sollte Dir der Besitz dieses Schädels erwünscht sein so sende ich ihn ein, bitte dann aber um Rücksendung der Scizze.

[Zeichnung]

Beifolgend ferner einen Abdruck einer Schädeldecke – wie es mir scheint – , ich habe diese Form und Größe noch nicht gesehen, gestern & heute jedoch je ein Exemplar gefunden; das zweite hat die Form beistehender Scizze. Auch Rippen von beistehender Größe fand ich verschiedentlich, leider meist zerbrochen, und seinen mir diese zu derselben Art zu gehören. ||

Ferner fand ich das Fragment eines Schädels, welcher mit einer Haut bedeckt zu sein scheint, dieselben bildete nicht einen Panzer oder Schuppen, sondern wie es scheint eine rissige Haut mir starken Pohren, in welchen Haare gestanden haben könnten. Ich habe noch nicht gehört, daß Saurier (diesen scheint er anzugehören) dergleichen besessen hätten und theile ich es deshalb mit.

Die übrigen neuerdings gefundenen Sachen sind zwar zahlreich jedoch nur Fragmente. Ich lasse circa 1/3 Morgen abräumen, so daß eben 2000 Ruthen, in welchen Reste vorkommen durchsucht werden können, und wird hoffentlich in den nächsten Wochen die reichste Ausbeute erfolgen. Leider bin ich nicht Fachmann, um jedes angemessen würdigen zu können und wäre es mir daher sehr erwünscht Dich in nächster Zeit einmal hier zu sehen, um auf Wesentliches und Unwesentliches aufmerksam gemacht zu werden. Bisher wurden meist nur die Sachen, welche den Arbeitern in die Augen fielen gesammelt und mag so manches besonders kleinere Sachen ungeachtet geblieben sein. Bei einiger Anleitung hoffe ich jedoch noch manches Stück, besonders auch der sich in einzelnen Lagen massenhaft vorfindenden Pleromogen habhaft zu werden. ||

Den fraglichen Fisch habe ich von Prof. Giebel leider noch nicht zurückerhalten hoffe ihn jedoch nächstens einsenden zu können.

[Zeichnung]

Das Wurzelende einer Pleromoge habe ich noch gefunden, welches im Grundrissa nicht, wie bei a, sondern wie bei b geformt ist.

Wenn es Deine Zeit erlaubt bitte mir einige Zeilen über Obiges zugehen zu lassen.

Sobald ich etwas dem Anschein nach bemerkenswerthes finde mache ich Mittheilung.

Mit freundschaftlichem Gruß

Dein

O. Merkel.

a eingef.: im Grundriss

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
24-01-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 25253
ID
25253