Finsterbusch, Ludwig

Ludwig Finsterbusch an Ernst Haeckel, Mülheim an der Ruhr, 30. Dezember 1904

Mülheim-Ruhr, den 30.12.04.

Mein lieber Ernst! Tausend Dank für das Weihnachtsgeschenk, das spät am Heilgen Abend ankam u. mich zu Thränen rührte! Ich weiß nicht, welche Ideen-Association mich an das Weihnachten erinnerte, an welchem ich in Merseburg auf der Hütte in der großen Rittergasse von Deinen Eltern das lateinische Lexicon von Kärcher zum Christkindchen bekam u. hochbeglückt bei Sonnenschein damit über die Saalbrücke nach Hause eilte. – Das sind 60 Jahre. – Voriges Jahr gratulierten wir Dir an die Riviera. Sicherlich hat der dortige Aufenthalt Deiner lieben Frau wohlgethan. Wie gern versetzte ich mich im Geiste in Dein Weihnachtsfest in der Familie. Freilich Dein Sohn u. Deine verheiratete Tochter kommen gewiß gerade zu Weihnachten nicht nach Jena, wo ein Besuch im Sommer ganz anders lohnt. Übrigens bringt die Rheinisch-Westfälische Zeitung eine Besprechung Deiner Lebenswunder, über die ich herzlich lachen muß, von einem Robert Landeck (Berlin); deren Nachdruck verboten ist – glücklicherweise. – Herzlichen Glückwunsch zur Jahreswende Dir u. Deiner Familie von allen Finsterbüschen masculini u. feminini generis. –

[Adresse]

Herrn Professor Dr. Ernst Haeckel | Jena.

 

Briefdaten

Gattung
Empfänger
Datierung
30-12-1904
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 2360
ID
2360