Hein, Reinhold

Reinold Hein an Ernst Haeckel, Danzig, 22. November 1860

Lieber Häckel!

Du nimmst es mir gewiß nicht übel, wenn ich Dich mit einer Bitte belästige, deren Erfüllung Dir hoffentlich nicht gerade Schwierigkeiten machen wird. Ich erhielt nämlich in voriger Woche einen Brief von Passows mit der traurigen Nachricht vom Tode des braven alten Professors und dabei, als Antwort auf eine frühere Anfrage von mir, den Bescheid, daß man mir gern Lachmanns Mikroskop überlassen würde & dasselbe auf meinen Wunsch sogleich zusenden wolle. Ich habe darauf geantwortet, daß ich Dich bitten würde, das Instrument vorher zu besichtigen und falls nöthig bei Schieck oder einem andern Optiker reinigen zu lassen, wollte aber außerdem Dich nun freundschaftlichst bitten, Dir durch Schieck den Preiß des Instrumentes angeben zu lassen, da ich natürlich über denselben nicht unterhandeln kann, sondern falls nicht auffallende Mängel daran sind, voll (– wie für ein neues) bezahlen will. ||

Wenn ich mich nicht sehr irre, kostete es neu 40 rℓ und ich würde das Geld an Dich, oder falls Du lieber willst, an Gertrud Passow einsenden, mit der Du, falls die Frau Lachmann nicht zu sprechen sein sollte, darüber verhandeln könntest. Ich denke, daß so die Sache am besten zu arrangiren wäre, wenn Du mir aber einen andern Vorschlag machen kannst, so bitte ich Dich es zu thun, und danke Dir im Voraus Deine Bemühungen. –

Seit den Königsberger Tagen habe ich nichts von Dir gehört u. denke mir, daß Du sehr an Deinem Opus ochsest & außerdem Dich auf Collegien zum Frühjahre präparirst. Ich habe mir überlegt oder vielmehr hinterher gemerckt, daß ich eigentlich während Deines Besuches hier in einiger Versimpelung mich befand, wie sie leider oft den Menschen befällt, der sich ein Vergnügen bereitet hatte & nun sieht wie es bald damit zu Ende geht, und der alte Schlendrian || des gewöhnlichen Lebens wieder in seine Rechte tritt. Vielleicht hast Du so etwas an mir bemerckt, daher dies zur Verständigung! Uebrigens wirst Du ja von mir wissen, da ß ich nicht gerade wechselnden Stimmungen unterworfen bin, nur finde ich, da ß ich mich am behaglichsten fühle, wenn ich recht viel zu thun habe & – der Himmel nicht zu viel Pech dabei regnen läßt; denn das kann ich nicht brauchen. Wenn Du an mich zu schreiben die Zeit & die Güte haben solltest, dann bitte ich Dich, mir doch auch mitzutheilen recht ausführlich, was Deine lieben Eltern machen. Wir haben hier leider so viele plötzliche Todesfälle, daß mir für alle alten lieben Freunde bange wird und selbst für meine alten Eltern, deren 40ter Hochzeittag ist, zugleich mit dem Geburtstag Deiner lieben Mutter, der ich hiemit meine herzlichsten Glückwünsche durch Dich sende.

Deine hiesige Freundin, Frau Dr. Krieger habe ich leider nicht wieder gesehen, habe aber entdeckt, da ß sie mit meiner Cousine sehr befreundet ist. – ||

Solltest Du in Berlin etwas über die Königsberger Professur hören, so würdest Du mich durch Mittheilungen sehr verbinden. Mein Vetter Zaddach kommt möglicherweise zu Weihnachten nach Berlin & fallsa es Dir lieb ist & die Zeit dazu sich findet, würde ich ihn auffordern, Dich aufzusuchen. Jedoch müßte ich dann um Deine genauere Addresse bitten. –

Nochmals verzeih, daß ich Dich mit einem so difficilen diplomatischen Auftrage (der übrigens keine Eile hat) belästige und nimm im Voraus meinen Dank dafür! –

Von Deiner lieben Braut hast Du hoffentlich immer gute Nachrichten. Mit dem Wunsche, daß Du sie bald heimführen mögest,

bleibe ich

Dein treuer Reinold Hein.

Danzig d. 22/11 60.

Frau Lachmann wohnt Jannowitzbrücke No 2.

a korr. aus: fas

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22-11-1860
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 23506
ID
23506