Hetzer, Wilhelm

Wilhelm Hetzer an Ernst Haeckel, Halle, 13. August 1854

Halle am 13. Aug. | 54

Mein alter Junge!

Leider kann ich mein Wort nicht so halten, als ich es wohl wünschte. Die Ferien sind zwar angegangen und theoretisch hätte ich nun Zeit genug. Indessen in der Praxis sieht es doch anders aus. Bis gestern Abend habe ich noch ununterbrochen arbeiten müssen, und ein Paar Feuerwerksstücke, um deren Anfertigung mich ein Freund (der seiner Braut zu ihrem Geburtstage etwas vormachen will) nahmen die wenigen Mußeminuten so in Anspruch, daß ich unmöglich meine a Gedanken zu einem Briefe sammeln konnte. Angefangen liegt er vor mir, das kann ich Dir beschwören, aber halb mag ich ihn doch nicht schicken und die Zeit bis zu Deiner Abreise ist so kurz, daß ich ihn nicht fertig kriegen kann. Vertröste Dich also nur noch eine kurze Zeit und wenn Du in Helgoland Naturstudien machst b, und Dich anstrengst, ein kleiner Burmeister, oder ein kleiner Rud. Wagner, oder ein kleiner Joh. Müller, oder ein kleiner Lichtenstein (hurrah) zu werden, kommt auf einmal ein Brief vom kleinen Berzelius an (Warte, kriege ich Dich nur alleine, Deine Anspielungen will ich Dir austreiben). Freilich wirst Du ihn nicht gern lesen mögen, wenn Du am Busen der Natur ruhst, oder wenn Dein Geist strebt, die Enden aller Dinge zusammenzufassen indessen – Punktum, Gedankenstrich. Salve, at carissimum habeas

tuum fidelem

W. Hetzer.

a unkenntlich gemacht; b gestr.: kommt

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
13-08-1854
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 21562
ID
21562