Rodenberg, Julius

Julius Rodenberg an Ernst Haeckel, Berlin, 15. Juli 1877

DEUTSCHE RUNDSCHAU.

VERLAG UND EXPEDITION:REDACTION:

GEBRÜDER PAETEL.DR. JULIUS RODENBERG.

BERLIN, W., LÜTZOWSTR. 2. BERLIN.

W., MARGARETHENSTR. I.

BERLIN, W., DEN 15. Juli, 1877.

Verehrtester Herr Professor!

Mit wahrem Entzücken habe ich Ihren herrlichen Aufsatz über „Corfu“ gelesen; der berühmte Naturforscher u. der Poet reichen sich in demselben die Hand, u. überall erfreuen wir uns der Gegenwart eines der liebenswürdigsten Menschen, welcher für die Welt u. ihre Bewohner ein warmes Herz besitzt, u. deren Schwächen mit beneidenswerthem Humor erträgt. Ich danke Ihnen vielmals für diesen trefflichen Beitrag, welcher bestimmt ist, eine ganz besondere Zierde der „Rundschau“ zu werden. Am Liebsten würde ich ihn gleich im Octoberheft gebracht haben – das für September befindet sich bereits auf dem Weg in die Druckerei; leider aber bin ich verpflichtet, im October eine Arbeit über die Ausgrabungen in Olympia zu publiziren, die natürlich mit Ihrem Aufsatz gar keine inneren Berührungspuncte gemein hat. Aber über beiden scheint doch die Sonne Homer’s, u. das ist für ein Heft fast zu viel Glanz! Ein haushaltsreicher Herausgeber vertheilt ihn lieber auf zwei. Wenn Sie daher Nichts dagegen haben, so werden wir Ihren Beitrag für das Novemberheft ansetzen; die sehr zeitgemäßen Bemerkungen am Schluße werden bis dahin Nichts von ihrer Richtigkeit verlieren, da die Orientalische Frage wol noch lange, jedenfalls über den November hinaus, eine offene bleiben wird. Es fragt sich nur, ob Sie die Correctur noch vor Ihrer schwierigen Reise in Jenaa lesen möchten, oder ob es Ihnen convenirt, sie auf irgend einer Station derselben, im letzten Drittel des September, zu erhalten. Darüber erbitte ich mir Ihre umgehende Antwort, da auch ich abreisen werde, u. zwar schon Dienstag Abend. Eine Postkarte wird genügen, wenn sie mich noch auf Dienstag trifft; denn da ich ins Bad muß, so werde ich mich für die nächsten 5–6 Wochen ganz von den Redactionsgeschäften zurückziehen. Allein ich werde vor meiner Abreise Alles so anordnen, daß ganz genau gemäß Ihrem Wunsche verfahren werden wird.

Es hat mich unendlich gefreut, daß Sie bei dieser Gelegenheit der „Rundschau“ aufs Neue Ihre freundliche Gesinnung bewiesen haben. Bleiben Sie derselben auch || fernerhin treu! Dann werden wir sehr bald keine Concurrenten mehr zu fürchten haben. Denken Sie doch gelegentlich mit einer neuen naturwissenschaftlichen Arbeit an uns! Ihr „Bathybius und die Moneren“ ist außerordentlich interessant, u. so weit der Neid zuläßt, daß nicht die „Rundschau“ es war, die den Aufsatz gebracht, habe ich ihn mit großem Vergnügen gelesen. Aber nun – ich will mich in dieser Hinsichtb nicht schlechter machen, als ich bin; ich danke Ihnen noch einmal für Alles, was Sie für die „Rundschau“ schon gethan, u. hoffe, daß Sie niemals aufhören werden, der Freund derselben zu sein!

Mit verehrungsvollem Gruß

ergebenst

Ihr

Julius Rodenberg.

a eingef.: in Jena; b eingef.: in dieser Hinsicht

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
15-07-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 20234
ID
20234