Focke, Wilhelm Olbers

Wilhelm Olbers Focke an Ernst Haeckel, Bremen, 19. August 1914

Sr. Excellenz |

Herrn Geh. Rat E. Häckel, |

Jena. |

Berggasse 7 |

Stein. Kreuz 5, Bremen,

19. Aug. 14.

Mein lieber alter Freund,

mit voller Zustimmung habe ich den mir zugesandten Artikel über England und den Krieg gelesen. In meinen kleineren Verhältnissen habe || ich ganz ähnlich wie Du über England gedacht und habe dort viele Beziehungen unterhalten; Ende 1853 war ich zum ersten Male im Lande. Es ist aber Selbstüberschätzung, wenn die Engländer sich einbilden, mit eigner Kraft Konstantinopel und den Suezkanal und die Indusmündung schützen zu können; der Czar wird nicht immer ihr „Freund“ sein. Dann ist’s aber vorbei mit der ganzen indischen Herrlichkeit; der „Befreier“ wird schon kommen.

Hoffentlich geht es Dir – nach Umständen – gut; leider wird der Krieg es mir auch unmöglich machen, mich in diesem Jahre persönlich davon zu überzeugen.

Hab Dank für Deinen Aufruf! oder wie Du die kräftige Meinungäusserung nennen willst! Lass es Dir und den Deinigen wohl ergehen!

Freundschaftlichst

W. O. Focke.

 

Briefdaten

Gattung
Empfänger
Datierung
19-08-1914
Entstehungsort
Entstehungsland
Zielort
Jena
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1908
ID
1908