Focke, Wilhelm Olbers

Wilhelm Olbers Focke an Ernst Haeckel, Bremen, 14. Februar 1910

Stein. Kreuz 5, Bremen,

14.2.10.

Mein lieber alter Freund!

Zum Geburtstage möchte ich Dir einen herzlichen Gruss schicken – Glückwunsch, wage ich nur zögernd zu schreiben, denn in unsern Jahren besteht das Glück, welches man sich für die Zukunft erwünscht, vorzüglich darin, den gegenwärtigen Besitz an Gesundheit, Kräften, lieben Menschen u.s.w. möglichst lange erhalten zu sehen.

Von dem ozeanographischen Museum hatte ich bisher nur aus Zeitungsnotizen Kenntnis gehabt, zweifle aber wegen der Persönlichkeit und den Vermögensverhältnissen des Gründers nicht daran, dass es eine grossartige Leistung sein wird. Die || Anstrengungen einer Reise nach Monaco sind heutzutage recht gering geworden, so dass Du sie wohl unbedenklich unternehmen kannst. Ich zweifle nicht daran, dass die Teilnahme an dem Feste Dir Freude machen wird. Bist Du dann einmal an den Gestaden des Mittelmeeres, so wartest Du wohl, bis der heimatliche Kampf Baldurs mit den Frostriesen bereits einigermassen ausgefochten ist, bevor Du wieder zurückkehrst.

Besten Dank für Deine freundlichen Zeilen vom 25. v. M. An Freund Krabbe werde ich in diesen Tagen schreiben und werde ihn bitten, uns Vorschläge über ein etwaiges Zusammentreffen zu machen. An einen Besuch in Kopenhagen, der von hier aus leicht zu machen ist, denke ich so wie so; vielleicht kann ich dann K. mit nach Deutschland bringen.

Neulich habe ich in den Blättern gelesen, dass ein Dr. Spiess Professor für || Englisch in Jena geworden ist. Persönlich kenne ich ihn nicht, aber er ist in meiner nächsten Nachbarschaft aufgewachsen; sein Vater und sein Bruder halten meine Wasserleitungs-Einrichtungen in Ordnung.

Und nun nochmals zum Schlusse: lass es Dir wohl ergehen im neuen Lebensjahre!

Es gedenkt Deiner

freundschaftlichst

Dein W. O. Focke.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
14-02-1910
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1894
ID
1894