Focke, Wilhelm Olbers

Wilhelm Olbers Focke an Ernst Haeckel, Bremen, 18. Oktober 1888

Wall 206, Bremen 18 Octob. 1888.

Mein lieber alter Freund!

Bei meiner Heimkehr im letzten Sommer fand ich sehr viel mehr zu thun vor, als ich überhaupt möglicherweise hätte bewältigen können. Unter diesen Umständen dachte ich zunächst nicht an Briefschreiben, und da ich Dich nachher auf Reisen wußte, so komme ich erst jetzt dazu, Dir meinen herzlichen Dank für die schönen Tage zu sagen, die ich bei Dir verleben durfte. Olim meminisse juvat, und dazu konnte ich ein schönes Bild Deines gegenwärtigen Lebens mitnehmen. Ich kann Dich mir jetzt in Deiner ganzen Umgebung, im Institut, im Hause, im Kreise Deiner Familie und auf Spaziergängen in der || freundlichen Umgegend von Jena vorstellen.

Deine Reise, von der ich auch einen Gruß von Dir durch Dr. Bulthaupt erhielt, hat Dich nach den Anstrengungen der Challenger-Arbeit ohne Zweifel gründlich erfrischt und wird hoffentlich auch zur Besserung des Befindens Deiner l. Frau beigetragen haben.

Nach meiner Abreise von Jena war ich noch acht Tage mit meiner Frau am Harz und habe dann hier recht vielerlei und möglichst heterogene Arbeit vorgefunden. Zunächst muß ich einen amtlichen Bericht über das Bremische Sanitätswesen während der letzten 4 Jahre fertigstellen, dann kommt ein amtlicher Bericht über die Flora der Unterweser Ufer, dann eine halb historische Arbeit u.s.w.

Gegenwärtig habe ich einmal die ganze Reihe meiner Kinder bei mir im Hause || und freue mich darüber um so mehr, als ein solches Beisammensein, nach den Erfahrungen anderer Familien zu urteilen, allmählich immer seltener eintreten würde.

Von unsern hiesigen gemeinsamen Freunden weiß ich Dir nichts Besonderes zu berichten und magst Du daraus schließen, daß es ihnen wohl ergeht. In der Zeit von Ende Mai bis Ende Oktober sehe ich hier übrigens sehr wenig Leute.

Es würde mir besondere Freude machen, einmal ein Glied Deiner Familie hier zu sehen, da ich auf Dich selbst nicht rechnen kann. So lange ich in meinem jetzigen Hause wohne, habe ich Platz genug, um Freunde zu beherbergen.

Nimm nochmals meinen herzlichen Dank für die schönen Tage in Jena, und empfiehl mich den lieben Deinigen mit freundlichem Dank und Gruß.

In alter Freundschaft

Dein W. O. Focke.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
18-10-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1860
ID
1860