VICTOR FRAENKL
RECHTSANWALT
BERLIN W, DEN 19. Februar 1900
KÖTHENER-STRASSE 1.
Hochgeehrter Herr Professor!
Nach der gestern hier veranstalteten Giordano Bruno-Feier haben sich Mitglieder des Festausschusses (darunter der Unterzeichnete) erlaubt, an Sie ein Ergebenheitstelegramm zu senden.
Nun erlaube ich mir namens desselben Ausschusses Ihnen Folgendes ganz ergebenst vorzutragen:
Wir beabsichtigen, am nächsten oder übernächsten Sonntag eine neue Feier auszuführen, die auf breiter Grundlage klar machen || soll, was Giordano Bruno uns modernen Menschen und auch noch den künftigen Geschlechtern sein kann und soll. Wir denken an eine flammende Kundgebung für den freien Geist! Und wir kennen keinen würdigeren Interpreten für diese große Sache, als Sie, hochgeehrter Herr Professor! Daher gestatte ich mir zunächst die ehrerbietige Anfrage, ob Sie die Güte haben würden, für einen solchen Akt die Festrede zu halten, ev:, welche Tage Ihnen am genehmsten wären. Sie würden || uns außerordentlich verbinden, wenn Sie mir, so schnell es angängig, eine telegraphische Antwort zukommen ließen.
Ich habe die Ehre, mit der Versicherung tiefstgefühlten Dankes und ausgezeichneter Hochachtung zu zeichnen als
Ihr ergebener
Victor Frankl.
RA.