Gratz 2. April 1872
Liebster Freund
Am 13. April soll die Reise nach Straßburg angetreten werden und da möchte ich vorher wissen, wie es mit meinen, resp. den Kalkschwämmen des hiesigen zoologischen Instituts wird. Es ist natürlich nicht nöthig, dass Du sie vorher schickst; wenn sie aber erst später hier eintreffen sollen, so möchte ich Dich bitten, mir von den in Doubletten vorhandenen Typen Exemplare (je 1)a bestimmt nach Straßburg zu senden. Die Unica gehören hierher. Uebrigens habe ich dieser Tagen von Bucchich eine treffliche Ladung Kalkspongien || erhalten, die in den nächsten Monaten mich und meine noch problematischen Straßburger Studenten beschäftigen werden.
Gestern habe ich an E. Schulze einen förmlichen Einladungsbrief geschrieben, seine Geneigtheit, hierher zu kommen, definitiv zu formuliren.
Meine Reise nach Venedig, Triest und Istrien ist wegen schlechten Wetters sehr resultatlos abgelaufen. Es war wirklich ganz trostlos. Ich hoffe jedoch aus dem reichlichen frischen Material von Bucchich manches eruiren zu können.
Aus einer Äusserung Stremayrs, die er neulich bei meiner Anwesenheit gegen mich that, verbunden mit anderen Mittheilungen im Ministerium muss ich entnehmen, dass er den || Plan hatte, Dich und mich zugleich nach Wien zu ziehen. In diesen Tagen hörte ich sogar, er habe neuestens weder bei Dir angeklopft. Ich habe ihm unverhohlen gesagt, wie schauerlich es in Wien bestellt sei. Er machte ein jämmerliches Gesicht dazu und that mir wirklich leid.
Dem Straßburger Arbeitsfelde gehe ich mit wahrer Freudigkeit entgegen. Ein Paar hiesige Studenten begleiten mich, und so ist wenigstens für ein Stimmchen gesorgt.
In alter Freundschaft
Dein
Oscar Schmidt
a eingef.: (je 1)