Gartz 22.2.71
Lieber Freund
Ich bin durch einen Ukas eines preussischen Schulrathes in die tragicomischen Nothwendigkeit versetzt, meine Einladung auf Logiren bei uns, wenigstens vorläufig, zurückzunehmen. Mein Sohn schreibt mir nämlich heute aus Pforte, dass besagter Schulrath das Abiturientenexamen plötzlich früher, als es bestimmt war, angeordnet habe und dass er, der Abiturient, daher auch früher hier eintreffen werde; das könnte gegen den 12. sein. Da Sie nun in || der dem Malus bestimmten Stube wohnen sollten, so geht es eben möglicher Weise nicht. Jedenfalls notificiren Sie mir wohl von Berlin oder Wien Ihre Ankunft hier. Sie thun am besten, von Wien mit dem Morgenzuge (ich glaube erst 10 ¼ Uhr) zu reisen, der 6 ¼ Uhr hier eintrifft. Ihren Begleitern empfehle ich für alle Fälle Hotel Ross oder Florian an.
Schleppnetze finden Sie in Triest; von mir müssen wenigstens 2 da sein, ein drittes dürfte sich jetzt auf der Reise im rothen Meere befinden. Kurz, Sie brauchen sich nicht mit dem Möbel zu belasten.
Ihr
Oscar Schmidt
Göthestrasse 14 ||
Im Hofnaturaliencabinet nach Spongien zu fragen ist verlorene Müh. Sind welche da, so sitzen sie, Herrn Ritter von Frauenfeld unbewusst, an den von ihm aus dem rothen Meere mitgebrachten und vielleicht noch nicht „gereinigten“ Corallen. Meine Mitreise wird aber durch die frühere Ankunft meines Sohnes auch sehr fraglich; indessen werde ich mich darauf einrichten.
In der neuen Auflage meines Handbuches habe ich vor, die Tunicaten abgesondert und unmittelbar an den Wirblern als Unwirbelthiere zu behandeln. Geht das? Ich glaube.
Den Brief an Dufft bitte zu besorgen.