Euer Hochwohlgeboren, Verehrtester Herr Professor!
Nehmen Sie vor Allem meinen verbindlichsten Dank für Ihre liebenswürdigen, mich und den Verein sehr auszeichnenden Zeilen vom 11. Maerz dieses Jahres entgegen und wollen Sie überzeugt sein, dass wir mit Freunden den Tag heransehnen, Sie in unserer Mitte begrüssen zu dürfen.
Wenn ich nun heute nochmals im Namen des Vereins mit einem Anliegen an Sie herantrete, möchten wir nicht unbescheiden erscheinen, zumal wir Herrn Professor auf einer Studienreise wissen. Aber auf Ihre bekannte Liebenswürdigkeit vertrauend und in Anbetracht der Umstände haben wir dringend in Jena um bestimmte und sofortige Absendung ersucht, was wir freundlichst zu verzeihen bitten.
Es ist beschlossen worden, in einer in den nächsten Tagen abzuhaltenen Generalversammlung den Salzburger Freidenker-Verein in eine Haeckel-Gemeinde umzutaufen und möchten wir Sie untertänigst bitten, uns die Ehre Ihrer Genehmigung zuteil werden zu lassen. Entspringt dieser Plan in erster Linie auch unserem eigensten Herzensbedürfnis, so kommen wir gleichzeit dem Wunsche einer grossen Anzahl Ihrer Anhänger entgegen, die dem Verein bislang nicht nahe gestanden haben und glauben wir durch diese Abänderung den Zusammenschluss aller Gleichgesinnten bewerkstelligen zu können.
Ueber unseren Verein, verehrter Herr Professor, werden Sie zum Tiel aus freidenkerischen Schriften orientirt sein. Ich gestatte mir zu bemerken, dass wir Frau Irma von Troll-Borostyani, Herr Ritter von Carneri und Frau Stipek-Pehm u. a. zu unseren geschätzten Mitgliedern zählen dürfen. ||
Zur nahen Deublerfeier gedenkt der Verein eine Deublerbroschüre herauszugeben, die unser Vereinsmitglied, Herr Redacteur Rutzinger verfassen wird. Wenn wir Unersättlichen es wagen dürfen, Herr Professor, Sie um ein kurzes Geleitwort zu dieser Broschüre zu bitten, so wollen Sie im Voraus schon unseres alleraufrichtigsten Dankes für Ihre Liebenswürdigkeit versichert sein. Sollten Sie geneigt sein, uns diese Freude zu machen, würde sich der Verfasser noch selbst direct an Herrn Professor wenden und bedürfen wir vorerst nur Ihrer geschätzten Einwilligung, um die Vorbereitungen mit desto grösserer Freude treffen zu können.
Ich bitte, die Ihnen im Namen des Vereins wiederholt gemachte Mühe entschuldigen zu wollen und die besonderen Umstände für uns sprechen zu lassen.
Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Professor, meine
hochachtungsvollen Grüsse. Ergebenst
Curt Spieker
Salzburg
Faberstrasse 4