Schubert, Adolph

Adolph Schubert an Ernst Haeckel, Kiel, 22. Dezember 1854

Mein lieber, guter Vetter Ernst!

Auch für Dich möchte ich heut gern einige Zeilen beifügen, um Dir für die Deinigen herzlich zu danken, die ich mit lebhaftem Interesse durchgelesen und aus denen ich zu meiner Freude ersehe, daß Du in Dein Studium Dich nun allmählich mehr zu finden und Dich mit demselben vertrauter gemacht zu haben scheinst.

Dein zierliches Herbarium wird mir ein liebes, freundliches Andenken an Dich und Deine Lieblingsneigung bleiben, in der Du, so zu sagen, leibst und lebst und vielleicht komme ich selbst noch einmal auf den Gedanken, dieser Wissenschaft mich zu nähern, wenigstens ist Deine kleine Sammlung ganz geeignet, auch dem Laien Vorliebe und Ge-||schmack für dieses Studium einzuflößen.

Zu Deinem tentamen philosophicum gratulire ich Dir bestens.

Von hier aus kann ich Dir leider keine andre Neuigkeit mittheilen, als daß ich noch mehrere Monate ruhig werde so wie bisher fortleben müssen, übrigens danke ich Dir herzlich für Deinen Rath, irgend eine Lieblingsneigung zu erwählen, der ich auf die Dauer treu bleibe und glaube ich selbst, daß eine solche Neigung, wie Du schreibst, sehr beruhigend und concentrirend auf mich einwirken werde.

Ich gedenke diesen, Deinen freundlichen Rath seiner Zeit auch gewiß zu befolgen, sobald ich erst wieder völlig genesen sein werde.

In der Hoffnung, daß Du ein glückliches Weihnachts- und Neujahrsfest verleben und mein Dir || zugedachtes Christ-Geschenk freundlich aufnehmen werdest, bin und bleibe ich

Dein

alter, treuer Vetter

Adolph.

Kiel

22 Dec. 1854.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
22-12-1854
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 16187
ID
16187