München 13. Nov. ‘01
Verehrter lieber Herr Kollege!
Für Ihre „Insulinde“ sagen wir Beide Ihnen besten Dank!
Wort und Bild erwecken alte liebe Erinnerungen.
Wie traurig, dass Sie zwei Monate Ihres Aufenthalts durch Unwohlbefinden verloren haben; Ihre meisterhafte Gabe zu schildern, hätte noch viel Gelegenheit gefunden. Uns zieht es immer wieder mächtig hinaus zu den Kindern der Sonne.
Zu unserm Schmerze waren wir noch nicht nach München zurückgekehrt, als Sie Ihres Herrn Sohnes Hochzeit feierten; wir finden nur Ihren schriftlichen Gruß vor. ||
Unser Reisebuch „Sonnige Welten“ ist ausverkauft; die Auflage war zu stark, war rasch aus unseren Briefen zusammengestellt, und soll nun etwas besser durchgearbeitete neu erscheinen.
Van der Lith’s Buch sandten Sie mir durch Dr. Dofflein. Ich bin nicht mehr ganz sicher, ob das Buch mir gehört, doch glaube ich wohl, dass es mein Eigenthum war. Sollte sich ein Anderer als Besitzer melden, so steht es wieder zur Verfügung.
Wie gerne hätte ich Ihnen von meinen herrlichen Photographien etwas gezeigt ‒ noch lieber Ihre Aquarelle gesehen. Für den Winter komme ich schwer von München fort, hoffe aber, || Ihnen später einmal meine Bilder vorführen zu können. ‒
Das nächste Heft der „Menschenaffen“ erscheint zu Ostern. Dann will ich in wissenschaftlich-populärer Form ein Büchlein zusammenstellen, dessen Inhalt etwa in dem Titel: Der Mensch, seine Abstammung und Natur ‒ oder desgl. zu erkennen ist. Darin will ich verwerten, was in meinen bisherigen Publikationen mitgeteilt ist und was ich sonst Überzeugendes und Packendes davon weiß. So leicht, wie Ihnen, fließt mir das Wort nicht aus der Feder; doch hoffe ich, dass das Buch aufklären hilft. Es ist mir ein Bedürfnis, die tiftelige Guck- und Schnittarbeit auf ein Jahr lang einmal zu unterbrechen. ||
Bin jetzt auch in Besitz eines Furchungsstadiums des javanischen Cercocebus cynomolgus, aber junge, soeben erst mit dem Uterusepithel verwachsene Keimblasen sind mir noch nicht zu Gesicht gekommen.
Ihre Unterzeichnung für die Burensache hat uns sehr erfreut. Besten Dank, dass Sie Ihren Namen dazu gegeben haben.
Richard Hertwig ist mir ein lieber Kollege. Er ist stets hilfsbereit, wenn es gilt, meine Vorlesungen (Keimes- und Stammesgeschichte der Wirbeltiere unda dergl.) zu fördern.
Möge es Ihnen wohlergehen. Das wünscht von ganzem Herzen
Ihr
Selenka
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