Julius Schwalbe an Ernst Haeckel, Charlottenburg (Berlin), 30. September 1914

Deutsche Medizinische Wochenschrift.

Berlin-charlottenburg 4, schlüterstr. 53

Charlottenburg, den 30. September 1914.

Hochverehrte Excellenz.

Für Ihr sehr liebenswürdiges Schreiben danke ich Ihnen verbindlichst. Die Erklärung von Waldeyer, der danach ganz den Eindruck des alten Herrn im Schlafrock hinter dem warmen Ofen macht, wird gewiss nicht viele von der gegenteiligen Ueberzeugung abgebracht haben. Immerhin ist die Zahl der deutschen Ideologenmichel, die seiner Auffassung beipflichten, nicht gering, wie mehrfache schriftliche und mündliche Mitteilungen mir beweisen. Der anonyme Angriff der „Fränkischen Tagespost“ kann uns völlig kalt lassen. Wirkungsvoller dürften die Entgegnungen sein, die die Erklärungen von Förster und Waldeyer in der National-Zeitung, der Deutschen Tageszeitung, den Berliner Neuesten Nachrichten, kurz auch in der Täglichen Rundschau und dem Hamburger Korrespondenten gefunden habena. Den Artikel der Deutschen Tageszeitung und der Berliner Neuesten Nachrichten lege ich bei, von den anderen Zeitungen habe ich leider weitere Exemplare nicht erhalten. Sollten Sie, hochverehrte Excellenz, von den Ausführungen Kenntnis nehmen wollen, so will ich Ihnen gern meine Ausschnitte übersenden. Im übrigen dürfte die beste Antwort auf Waldeyer und Genossen die weitere Liste von Unterzeichnern sein, die ich vor einigen Tagen durch das || Wolffsche Telegraphenbureau habe verbreiten lassen. Ich darf wohl annehmen, dass sie auch Ihnen zu Gesicht gekommen ist. Bemerkenswert ist immerhin, dass auch unser höchster preusssischer Medizinalbeamter sich darunter befindet.

Nach alledem bedarf es, wie ich glaube, einer besonderen Auseinandersetzung mit unseren Herren Gegnern einstweilen nicht. Ich komme vielmehr auf meinen Vorschlag zurück, dass wir erst nach Ablauf des Krieges uns äussern sollten. – Hoffentlich findet die glänzende Leistung des Kapitäns Weddingen recht viele und baldige Nachfolger. Dann werden die grossmäuligen Herren Engländer noch kleiner werden, als sie es offenbar jetzt schon sind.

Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung und Verehrung

bin ich Ew. Excellenz ganz ergebener

J Schwalbe

Herrn Wirkl. Geh. Rat Prof. Dr. Haeckel, Excellenz, Jena

a korr. aus: hat

Brief Metadaten

ID
14588
Gattung
Brief ohne Umschlag
Institution von
Deutsche Medizinische Wochenschrift
Entstehungsort
Entstehungsland aktuell
Deutschland
Entstehungsland zeitgenössisch
Deutsches Reich
Zielort
Zielland
Deutschland
Datierung
30.09.1914
Sprache
Deutsch
Umfang Seiten
2
Umfang Blätter
2
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 14588
Zitiervorlage
Schwalbe, Julius an Haeckel, Ernst; Berlin; 30.09.1914; https://haeckel-briefwechsel-projekt.uni-jena.de/de/document/b_14588