DEUTSCHE MEDICINISCHE WOCHENSCHRIFT
REDACTION: BERLIN W., LICHTENSTEIN-ALLEE 3.
BERLIN, DEN 31. Juli 1901
Hochzuverehrender Herr Geheimrath!
Meine folgende ungewöhnliche Bitte wollen Sie freundlichst mit dem sie bedingenden außergewöhnlichen Anlaß entschuldigen.
Nach dieser einleitenden Captatio benevolentiae erlaube ich mir an Sie, hochgeehrter Herr Geheimrath, die ergebenste Anfrage zu richten, ob Sie geneigt wären, für unsere Festnummer, die wir zu Virchows 80. Geburtstage vorbereiten, einen Beitrag aus Ihrer Feder beizusteuern. Ich glaube nicht fehl zu gehen in der Annahme, daß Sie der litterarischen – und noch mehr der persönlichen – Berührung mit Virchow ermangeln, indes darf ich doch wohl annehmen, daß bei einer so seltenen Feier frühere Disharmonien, || insbesondere persönlicher Art, verklingen, unter dem Einfluß des Allgemein-Menschlichen, das bei Vollendung des 80ten Lebensjahres durch seine versöhnliche Kraft auch einstmalige Gegner einandera wohl zu nähern vermag. Daß der greise Virchow sich über einen von Ihnen zu einer Festnummer gelieferten Beitrag ganz besonders freuen würde, davon bin ich fest überzeugt, und in dieser Ueberzeugung gebe ich mich der Hoffnung hin, daß Sie meiner Bitte willfahren und sie mit einer freundlichen Zusage baldigst beantworten werden.
Mit dem Ausdruck größter Hochachtung und Ergebenheit
Dr. J. Schwalbe
a eingef.: einander