Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Heidelberg, 11. April 1918

Heidelberg, 11.4.1918.

Hochverehrter und lieber Freund!

Dein „Dank und Abschied“, den wir soeben in der Zeitung lasen, hat uns tief bewegt, und es drängt mich, Dir zugleich im Namen meiner Frau die herzlichsten Wünsche zu senden. Wir haben die wohlgegründete Hoffnung, daß eine inzwischen wieder vorübergegangene trübe Stimmung – wie sie z. B. bei mir ein jeder Geburtstag und jeder an diesen Unglückstagen mir dargebrachte Glückwunsch auslöst – Deine Feder regierte.

Gewiß machen sich bei jedem Menschen die Jahre geltend (bei mir 20 Jahre früher als bei Dir); wer aber so begnadet ist wie Du, wer in Deinem jüngst veröffentlichten Werke noch so aus den Vollen schöpfte und von Jugend strotzende Gedanken hervor-||brachte, – von dem bleibt Freund Hein noch fern, und ein Herz, das so frisch noch schlägt, erzählt noch von langer Lebensdauer. Du wirst das Alter Deiner geliebten Tante Sethe erreichen und übertreffen, und wirst mich und so vielen andere Deiner jüngeren Verehrer vor Dir ins Grab sinken sehen.

Wir senden Dir unsere innigsten Wünsche für diesen und noch viele weitere Frühlinge, die Dich mit frischer Kraft und Hoffnung erfüllen werden. Mögest Du die Rückkehr zur Menschheit und Vernunft bald sehen und möge der Deutsche Friede, auf den unsere jetzigen Siege und – trotz des Schiffraubes von England-Amerika an den Neutralen – unsere U Boot Erfolge vertrauen lassen, und der || Wiederaufbau der Kultur Dein ferneres Leben beglücken!

Hoffentlich geht es Deinen Lieben gut.

Mit unseren herzlichsten Grüßen

Dein

M. Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
11-04-1918
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1412
ID
1412