Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Heidelberg, 20. September 1905

Heidelberg, 20.9.1905.

Lieber und hochgeehrter Freund!

Deine l. Postkarte hat uns auf Umwegen erreicht und einige Zeit vor mir gelegen; ich konnte sie aber nicht beantworten, weil ich bessere Stimmungen abwarten wollte. Sie sind nicht gekommen, und so muss ich Dir leider schreiben, dass ein Wiedersehen mit Dir z. Z. noch über meine Kräfte geht. Seit dem Tode unseres geliebten Jungen ist die Einsamkeit das einzige, was wir vertragen können. Jedes Begegnen mit Menschen, und gar mit solchen, mit denen wir einst so glückliche Zeiten durchlebt haben, wirft uns weit zurück. Wir waren in der Schweiz, länger als gewöhnlich, aber || das Leid hat uns unvermindert begleitet und uns bei der Wiederkehr in das verödete Haus mit vermehrter Stärke begrüsst. Meine Frau ist noch wunder als ich; ich könnte sie jetzt nicht allein lassen.

So willst Du verzeihen, dass wir Deinem freundlichen Rufe nicht Folge leisten können. Möge die lindernde Zeit uns in nicht zu fernen Stunden ein Wiedersehen mit Dir schenken!

Inzwischen senden wir Dir die herzlichsten Wünsche für gute und dauernde Erholung und Erfrischung in Baden-Baden und alles Gute für Dich und Deine Lieben.

Dein

M. Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
20-09-1905
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1377
ID
1377