Hochverehrter Herr Professor!
Zu unserer sehr grossen Freude vernehmen wir, dass Sie in Rom sind und bewahrheitet sich das Gerücht, dass Herr Professor krank wären, demnach nicht. In der Annahme, sehr verehrter Herr Professor, dass unser Brief, den wir Ihnen in den letzten Tagen nach Jena schrieben, Sie dort nicht mehr erreichte, möchten wir uns die Freiheit erlauben, unsere Anfrage nochmals zu wiederholen. Herr Professor stellten liebenswürdigerweise einen Besuch Salzburgs in Aussicht und geben wir uns nun der Hoffnung hin, dass Sie die Gelegenheit der Rückreise hierzu benutzen werden. Sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen, dass wir Sie, hochverehrter Herr, hier begrüssen können, so zweifeln wir nicht, dass Sie der Haeckel-Gemeinde die Ehre erweisen, einige Stunden in ihrem Kreise zuzubringen und selbe vielleicht durch eine Ansprache auszuzeichnen. Wir baten auch in unserem Brief Herrn Professor um freundliche Aeusserung, ob Sie uns die Veranstaltung eines Begrüssungsabendes vollkommen überlassen würden, ob wir eine interne Versammlung oder eine allgemein zugängliche abhalten dürften und welche Wünsche Sie, sehr verehrter Herr Professor diesbezüglich evtl. haben würden.
Dass Ihr Kommen mit grösster Freude und Spannung weit über den Rahmen unseres Vereins hinaus entgegengesehen wird, des dürfen Sie versichert sein.
Indem wir Sie höflichst bitten, unser Gesuch berücksichtigen zu wollen, begrüssen wir Sie
mit Hochachtung und Ergebenheit
f. d. Haeckel-Gemeinde Salzburg
Curt Spiecker
Salzburg, 22. Sept, 04.
Salzburg, Faberstrasse 6.
[Umseitig weiterleitender Begleitbrief von Agnes Haeckel an Ernst Haeckel, Jena, 28. September 1904]