Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Jena, 16. Oktober 1895

Jena, 16.X.1895.

Lieber und hochverehrter Freund!

Durch Heinrich Haeckel höre ich, dass Du nach einer richtigen Parforce-Reise gut und glücklich in Baden-Baden angekommen ist, und das milde und freundliche Wetter, das uns dieser ungewöhnliche italienische Herbst auch jetzt noch schenkt, giebt mir die fröhliche Überzeugung, dass Du mit den lieben Deinigen in dem schönen Schwarzwaldthal noch eine gute Reihe wundervoller Tage genießest. Meine und meiner Frau allerherzlichste Wünsche begleiten Euch getreulich; möge das Wetter bis in den November hinein anhalten, mögest Du noch ein Stück des Semesters dort genießen und ganz frisch und munter zurückkommen! ||

Beim Curator war ich, ein paar Tage später als ich mir vorgenommen, da er von Sonnabend bis Montag verreist war. Er erzählte mir auch, dass er Dich noch einmal vor Deiner Abreise gesprochen. Ich hatte ihm gegenüber nicht leichten Stand, denn es ist sein grosser Wunsch, dass der Umbau zu Stande komme, und er bat micha, Dir nach Möglichkeit zuzureden. Ich betonte ihm, dass Du Dich ganz abweisend ausgesprochen, dass Du viel Zeitverlust befürchtest, eine grosse Menge höherer Aufgaben als Museumssorge vollenden wolltest, über die 6000 M. schon anders disponirt hättest (was er schon wusste), dass solche Umbauten meist viel mehr Zeit kosteten, als man zuvor annehme, und dass es gar schwer sei, sich schnell in der veränderten Sammlung zurechtzufinden, dass ich auch nicht glaube, || dass die Zufügung der verdunkelnden Flügel ein grosser Profit sei, und schließlich, dass man doch Jemanden, der keinen Umbau wolle, sondern denselben lieber seinem späteren Nachfolger überlassen wolle, nicht zu einem solchen guten Gewissens zwingen könne. Er meinte, Du stündest jetzt noch unter dem Einfluss Deines Fußes und der langen durchlittenen schweren Zeit, er hoffe aber, dass Baden Dich fröhlicher und unternehmungslustiger machen und daß er dann, nach Deiner Rückkehr, wieder bei Dir anfragen werden. – Mehr war zunächst nicht zu erreichen; dass ich auch nachher ganz Deinen Wünschen, was ja ganz allein in Betracht kommt, entsprechend vorgehen werde, weißt Du.

An Rabl habe ich, nachdem ich mich zuvor mit Ruge ins Einvernehmen gesetzt und den Fall zuvor reiflich erwogen, doch geschrieben. Jede Zögerung schien mir || unklare Verhältnisse zu schaffen. Des Briefes an Dich habe ich keine Erwähnung gethan, lediglich von einer mir durch Dich gemachten Mittheilung bin ich ausgegangen. Rabl hat mir auch geantwortet und sein Bedauern ausgesprochen, dass ich seine Aeusserung falsch aufgefasst „Legt ihr’s nicht aus, so legt ihr’s unter.“ Er verehre Gegenbaur trotz und mit seinen Fehlern gerade so wie er auch Haeckel verehre, obwohl er in seinen überaus thatenreichen Leben manches gethan habe, war er nicht billigen könne. Nun jedenfalls war seine Art, Dir und Gegenbaur seine Verehrung auszudrücken, eine äusserst merkwürdige und ich bin nach wie vor sicher, dass er in einer Gratulationsschrift für G. nicht mitthun darf. Dies Alles, bitte, im Vertrauen, da G. von dieser Episode zwischen Rabl und mir natürlich nichts erfahren darf.

Daß Brockhaus einem plötzlichen ersten Schlaganfall binnen 2 Tagen erlegen, weißt Du. Sehr traurig; er war wohl das beste Mitglied der Facultät.

Nochmals herzlichste Grüsse und Wünsche für Euch alle von uns.

Dein treu und dankbar ergebener

M. Fürbringer.b

a korr. aus: Dich; b Text weiter am linken Rand von S. 4: Nochmals herzlichste … M. Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
16-10-1895
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1301
ID
1301