Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 26. April 1908

Bonn d 26. IV. 08

Lieber alter Freund!

Gleich nach Schluss des Wintersemesters reiste ich von hier ab. Die Semesterarbeit die dauernd wächst, während meine Kräfte naturgemäss abnehmen, hatte mich recht müde gemacht. Ich sehnte mich nach Ruhe und Sonne und suchte beide an der Riviera. Freilich fand ich in diesem Frühjahr die Sonne dort nur recht spärlich || vor. – Ein Brief von Frl. Maria Holgers, dem auch Deine Zeilen beilagen, wurde mir nach Mentone gesandt. Als ich den Brief erhielt, war der angekündigte Besuchstag von Frl. Holgers schon vorüber, jedes Eintreten meinerseits für sie somit ausgeschlossen. Das that mir recht leid, liess sich aber nicht mehr ändern.

Es würde mir eine grosse Freude sein Dich wiederzusehen, alter Freund, || doch wird dies bei dem Jenenser Universitaets-Jubilaeum nicht geschehen. Ich bringe es nicht übers Herz, mich dorthin zu begeben. Das würde all den Schmerz und Kummer der Jahre die dem Tod meiner armen Frau vorausgingen, wieder beleben. Die Folgen dieser schweren Zeit auf mein Nervensystem habe ich nur zum Theil überwunden. Du selbst, || alter Freund, bist ein Gemütsmensch, wirst mir also meine Gefühle nachempfinden.

Also drücke ich Dir zunächst nur in Gedanken herzlichst die Hand und spreche Dir meine Freude darüber aus, dass Du das Werk Deines phyletischen Museums so glücklich zu Ende führen konntest!

Dein in alter

treuer Freundschaft

E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
26-04-1908
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12770
ID
12770