Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Mentone, 6. April 1902

Mentone, Hôtel d‘ Italie

d. 6 April 1902

Lieber Freund!

Vor Allem herzlichen Dank für Deiner lieben Frau und Deinen Glückwunsch zu der Verlobung unseres Sohnes mit Marie Edith Nothnagel. Du wirst Dich, lieber Freund, erinnern, dass unsere Kinder, zusammen mit jenen Nothnagels und Bernhard Schultzes, seiner Zeit gemeinsam den Elementarunterricht genossen. Freilich nahm Marie Edith an diesem Unterricht noch nicht theil, da sie erst 1879 zur Welt kam. Nichtsdestowe-||niger haben wir oft, in unseren Erinnerungen an Jena, die, als die glücklichsten Zeiten unseres Lebens, uns wie von einer Aureole umstrahlt erscheinen, die Nothnagelschen Kinder mit den unseren in gleich zärtlichem Empfinden vereint. So kam uns denn, der Bund unseres Sohnes mit Marie Edith, als ihn glückliche Verhältnisse fügten, fast wie etwas Selbstverständiges vor. Meine Frau hofft, dem Kind das seine Mutter nie gekannt, die Mutter voll zu ersetzen. Möchten nur ihre Kräfte lange noch dazu reichen. ||

Der letzte Winter war besser als die vorhergehenden gewesen, da plötzlich, ganz unerwartet, musste sich meine arme Frau, zu einer schweren Operation entschliessen. Die Heilung der Wunde ging glücklicherweise gut von statten und wir begaben uns nun hierher in der Hoffnung, dass das südliche Klima rascher der Geschwächten zur Erholung verhilft.

Für die Kunstformen der Natur, die Du in so liebenswürdiger Weise mir zusenden lässt, und die mich sehr erfreuen || und erfrischen, danke ich Dir herzlich. Die Rostafinskische Myxomyceten-Arbeit ist in meinem Besitz und schreibe ich an meinen Assistenten Dr. Koernicke nach Bonn gleichzeitig, damit er sie Dir sofort zukommen lasse.

Beide senden wir Deiner lieben Frau und Dir die herzlichsten Grüsse, zugleich drücke ich Dir in alter Freundschaft die Hand

Dein E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
06-04-1902
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12764
ID
12764