Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 4. Oktober 1891

Bonn d 4 Oct 91.

Lieber Freund!

Nach zweimonatlicher Abwesenheit traf ich gestern wieder in Bonn ein, wo ich unter anderen Sendungen, mit freudiger Ueberraschung, das Bild des Jenenser Referirabends vorfand. Dürfte wohl das Bild zur Feier des zwanzigjährigen Bestehens hergestellt worden sein?! Sollte es wirklich schon so lange her sein dass wir uns zum ersten Mal || in jenem engeren Kreise zusammenfanden, der durch seine Dauer am besten zeugt für den allgemeineren wissenschaftlichen Geist und den innigen collegialen Sinn im Jenaischen Universitatsleben?! Ich habe an die Anregung die ich in diesem Referirabend einst fand, die geistigen Bande die sich dort enger knüpften, oft freudig zurückgedacht und empfand es als zarte und wohlthuende Aufmerk-||samkeit mit Eurem Bilde bedacht zu werden. Also herzlichen Dank an Dich und den ganzen Referierabend. Bei Eurem nächsten Referirabend bitte ich Dich und den ganzen Referirabend. Bei Eurem nächsten Referirabend bitte ich Dich diesen meinen Dank den Collegen auszusprechen. Die unerquickliche Angelegenheit Hamann mag Dir viel Aerger und Aufregung verursacht haben. Alle anständigen Menschen haben aber dasselbe Urtheil über Ha-||mann gefällt, dasselbe lautet für ihn vernichtend – das kann Dir als Trost dienen! Meine Frau fühlt sich wieder nicht ganz wohl und das veranlasst mich unsere Ferienreise über die gewohnte Zeit auszudehnen: wir weilten vornehmlich auf dem Monte Generoso.

Hoffentlich geht es Dir und den Deinigen nach Wunsch! Mit den besten Grüssen von Haus zu Haus drücke ich Dir in alter Freundschaft die Hand

Dein

E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
04-10-1891
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12755
ID
12755