Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 9. Dezember 1889

Bonn d. 9.XII.89

Alter Freund!

Deiner liebenswürdigen Einladung würden wir mit Freuden Folge leisten, wenn nur Jena für uns leichter erreichbar wäre! Meiner Tochter hast Du vor Allem den Mund wässrich gemacht: ist doch schon die Vignette so vielversprechend! Mit Vergnügen sehe ich dass Du auch schon in die Würden des Ballvaters eingerückt bist und mir in dieser Branche jedenfalls erfolgreiche || Concurenz machst. Uebers Jahr bist Du eventuell in der Lage meinem Sohne mit einer ähnlichen Einladung grosses Vergnügen zu bereiten. Er soll im Frühjahr, als Studiosus medicinae, nach Jena ziehen und sich dort zuerst als akademischer Bürger versuchen. Meine eigenen, lieben, alten Erinnerungen veranlassen mich zu dieser Wahl. Ich || möchte dass mein Sohn sich ebenso viel ideale Begeisterung in den Jenenser Hörsälen, in der Jenenser freien Luft und auf dem alten classischen Boden holen möchte, wie ich es einst gethan. Besonders freue ich mich auf den Gedanken ihn zu Deinen Füssen sitzen zu sehen und hoffe dass Du dem Sohne eben so viel freundschaftliches Wohlwollen wie einst dem || Vater entgegenbringen wirst. Ob der Junge was leisten wird? Wer kann es wissen? ich selbst vermag dies am wenigsten zu beurtheilen: er ist noch ein Kind, doch ein guter, strebsamer und unverdorbener Junge. Für die neue Auflage Deiner Schöpfungsgeschichte sei Dir herzlich gedankt. Das Lesen derselben muss ich bis in die Ferien verschieben, da mich eine grössere, dem Abschluss nahe Arbeit ganz absorbiert.

Meine Frau und ich senden Dir und Deiner lieben Frau herzliche Grüsse.

Ich drücke Dir in alter Freundschaft die Hand

Dein E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
09-12-1889
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12749
ID
12749