Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 15. August 1886

Bonn d. 15/8 86.

Lieber Freund,

vor drei Tagen ist uns ein Sohn geboren nach mehr denn 15 jähriger Unterbrechung. Es ist uns, als wollten wir ein gut Stück Leben von Neuem beginnen. Hoffentlich verjüngt dies Ereignis wirklich meine Frau und giebt ihr die Gesundheit wieder die sie zu Anfang unserer Ehe gehabt. || Unsere Aerzte glauben in der That dass diese Schwangerschaft einen guten Einfluss auf ihr Allgemeinbefinden ausüben wird; thatsächlich hat sie sich seit 9 Monaten auffallend wohl befunden und schwanden die Anzeichen der Basedow’schen Krankheit fast vollständig. Andererseits scheint auch der Knabe kräftig und gesund zu || sein: er leistet, behauptet meine Frau, im Saugen mehr als die beiden ersten Kinder. Ich freue mich alter Freund Dir eine für uns so glückliche Nachricht mittheilen zu können, und hoffe, dass Du mir unter diesen Umständen auch mein langes Schweigen wirst verzeihen wollen. Ich hänge Dir, in unwandelbarer Freundschaft an || und theile darum die Gefühle Deines alten Lehrers unseres jetzigen Curators, mit dem fast bei jeder Begegnung von Dir die Rede ist. Ist meine Frau erst wohl genug so gehe ich für einige Wochen nach Carlsbad um dort die Cur zu brauchen. Ich verspüre zwar nicht die geringste Lust zu einer Brunnencur, doch wünscht meine Familie diesen Versuch so sehr, dass ich ihn ihr zu Liebe unternehmen muss. Es liesse sich meine Rückreise in der Mitte des nächsten Monats über Jena legen, doch müsste ich zuvor wissen ob Du dort in Jena mit zu treffen sein wirst; Dir und Deiner Frau senden wir die herzlichsten Grüsse in alter Freundschaft

Dein

E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
15-08-1886
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12743
ID
12743