Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 31. Mai 1885

Bonn d 31/5 85

Lieber Freund,

es wäre mir das eine solche Freude Dich wiederzusehen, dass ich gestern vor acht Tagen sehr ernstlich daran dachte die Reise nach Jena anzutreten. Leider war ich mit meiner Verdauung nicht ganz in Ordnung und dazu kam die Nachricht Althoff würde hier am Pfingstmontag || eintreffen. Nachdem Leydig brieflich Alles: Uebernahme der Professur für Zoologie, der Prüfungen etc. abgelehnt hatte sollte persönlich bei ihm nochmals versucht werden. Am verflossenen Montag zogen dann Althoff und der neue Curator (Dein Freund Gandtner) feierlich zu Leydig hin um ihm Anträge zu erneuern. Leydig blieb standhaft beim Ablehnen. Ich dachte die Sache wäre definitiv abgemacht und schrieb eiligst || an Richard Hertwig um die uns von ihm zugesagten Notizen, da höre ich zu meinem grossen Erstaunen, Leydig hätte sich um die zwölfte Stunde anders besonnen und Althoff, der ihn nochmals aufsuchte, die provisorische Uebernahme der Zoologie zugesagt. Das Nähere weiss ich nicht, doch äusserte sich Althoff vor der Abreise unserem Mathematiker Lipchitz gegenüber: es sei Alles arrangiert. || Lange wird dieses Arrangement keinesfalls anhalten, spricht doch Leydig fortwährend davon sich ganz zurückzuziehen. Mit unserem neuen Curator und dessen Frau ist oft von Dir die Rede; diesselben sind Dir ganz ausserordentlich zugethan und schon aus diesem Grunde mir ausserordentlich sympathisch. Wie geht es Dir und Deiner lieben Frau? Meine Frau ist leider wieder leidend.

Beide senden wir Euch die besten Grüsse und drücke ich Dir in Gedanken herzlich die Hand.

Dein treuer

E. Strasburger

Ist Gustav Fischer krank? Ich bin wohl seit 6 Wochen ohne Nachrichten von ihm.

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
31-05-1885
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12742
ID
12742