Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 8. Juni 1884

Bonn d 8. Juni 84

Lieber Freund,

Herr Gustav Fischer hatte mir vorgestern das Ableben von Türcke’s angezeigt und gleichzeitig von der schweren Erkrankung Seebecks Nachricht gegeben. Ich war somit auf die traurige Mittheilung die Dein Brief enthält vorbereitet und nichts destoweniger bin ich von derselben tief ergriffen. Auch mir ist Seebeck ein väterlicher Freund gewesen || für dessen lauteren Charakter ich die höchste Verehrung für dessen edlen Idealismus ich die grösste Bewunderung empfunden. Der Umgang mit ihm wird ein Lichtpunkt in meinem Leben bleiben. Er hat vielfach mein Thun und Trachten beeinflusst und ich werde seiner stets in Dankbarkeit gedenken. Auch Herrn v. Türcke habe ich stets für einen pflichttreuen Mann gehalten || der das Beste wollte, der aber vielleicht nicht ganz in die Stellung passte und dessen gerechte Würdigung dadurch erschwert wurde dass er Seebeck zum Vorgänger gehabt.

Von O. Hertwig der hier fast 8 Tage weilte, habe ich mir viel von Jena und vornehmlich von Dir erzählen lassen. Du wärest, meinte Hertwig, fest entschlossen gewesen die Pfingsttage am Rhein zuzubringen; – || wie schade dass Du Deinen Plan nicht zur Ausführung brachtest. Wir hätten uns ganz ausserordentlich gefreut Dich und Deine liebe Frau bei uns zu sehen. Hoffentlich führst Du diesen Plan im nächsten Jahre aus!

Für Deine reizenden „Reisebilder“ noch vielen Dank; ich habe dieselben meiner Frau des Abends vorgelesen, sie haben uns viele gute Stunden bereitet.

Dagegen erhältst Du von mir ein recht langweiliges Buch welches Dir aber doch vielleicht hin und wieder von Nutzen sein wird.

Mit den herzlichsten Grüssen von Haus zu Haus

Dein treuer

E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
08-06-1884
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12740
ID
12740