Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Bonn, 21. Juli 188 2

Bonn d 21/7 82.

Lieber Freund,

langsam lebe ich mich hier ein und ich kann nicht anders sagen, als dass es mir hier sehr gut gefällt. Die Arbeit ist freilich zunächst gross, doch dürfte sie nach einigen Semestern abnehmen. Ich praeparire mich eben wieder gründlich für meine Vorlesungen und benutze die Gelegenheit um zahlreiche || Lücken in meinem Wissen auszufüllen. Ist somit die schlimmste Zeit erst überwunden, so wird sie mir manchen Nutzen gebracht haben. Prüfungen habe ich wohl mehr als in Jena abzuhalten, im Ganzen ist es damit aber doch besser als ich im Anfang dachte. Unsere Wohnung ist seit Wochen vollendet und sehr schön geworden; dabei ist es mir wissenschaftlich wirklich ein || grosser Gewinn mein Institut und den Garten so bei der Hand zu haben: ich kann meine Zeit viel besser ausnutzen. Meine Frau und meine Kinder bringen aber den halben Tag im Freien zu. Leider hat meine Frau wieder an Neuralgien gelitten; diesmal hingen sie mit einem Zahn zusammen und schwanden so wie dieser entfernt wurde. Mit Beginn der Ferien gehen wir alle für alle Fälle in’s Oberen-||gadin, ich selbst werde es brauchen können. Von Collegen kenne ich nunmehr die meisten und bin in der liebenswürdigsten Weise von denselben empfangen worden. Lavalette lernte ich erst gestern kennen und richtete Deinen Gruss an denselben aus. Um Deine beabsichtigte Ceyloner Reise möchte ich Dich beneiden – zu Aehnlichem werde ich schwerlich mehr kommen; das sind die Vortheile von Jena. Inzwischen wird man Dir doch hoffentlich das Institut bauen! – Was Du mir über Stahl schriebst freute mich sehr, ich war sicher dass er sich gut machen würde.

Herzliche Grüsse von uns Beiden an Dich und Deine liebe Frau.

Dein E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
21-07-1882
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12735
ID
12735