Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Cap d‘ Antibes , 25. März 1880

Cap d‘ Antibes

Hotel Belle-vue

d. 25/3 1880

Theurer Freund!

Es kommt mir fast grausam vor, Dir Aermsten, der Du an Jena gefesselt bist, die Herrlichkeit des Südens zu schildern und doch kann ich nicht umhin Dir zu schreiben, wie leid es mit thut, Dich hier nicht zu sehen. So oft ich auch schon das Frühjahr || südlich der Alpen zugebracht, ein solches Wetter habe ich im März noch nicht erlebt. Nicht ein Wölkchen am Himmel seitdem wir Jena verlassen! Die Seealpen mit ihrer Schneedecke leuchten uns vom frühen Morgen bis zum Abend entgegen; das Meer ist blau, so wie es das Mittelmeer nur zu sein versteht; die Sonne wärmt uns || wohlthätig, ohne lästig zu sein; alle Bäume sind voller Blüthen – es ist in einem Worte hier paradiesisch schön. Wir wohnen in einem kleinen Hotel das uns Naudin, der Director der Villa Thuret, empfahl und sind sehr zufrieden; sehr einfach aber ausgezeichnetes Essen. Ich sammle jeden Morgen Algen, die Kinder klettern inzwischen an den Felsen des Strandes umher; dann frühstücken wir; hierauf || setze ich mich bis um 3 Uhr an’s Microscop; worauf bis um 6 Uhr draussen herumgelaufen wird: alle Tage ein anderer Ausflug. Meine Frau litt zunächst noch an Neuralgien, seit einigen Tagen ist sie aber ganz wohl; die Kinder werden zunehmend dicker. Wir bleiben hier wohl bis Mitte nächster Mitte, gehen dann nach Nizza wo uns Briefe poste restante treffen.

Die herzlichsten Grüsse von uns beiden an Dich und Deine liebe Frau.

Ich drücke Dir die Hand in alter Freundschaft

Dein E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
25-03-1880
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12731
ID
12731