Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Nizza, 28. Januar 1877

Nizza d. 28/1 77

Lieber Freund!

Der Schultz’sche Brief hat mich durchaus nicht überrascht, ich las in der Allgemeinen dass Königsberger Dresden verlässt und da dachte ich mir es wohl das Derartiges kommen würde. Ganz unter uns gesagt war ich auch schon lange mit mir einig dass ich nicht nach Dresden gehen würde. Ich kann || nicht einmal das eventuelle Ausbleiben der dort geplanten Reformen für ein Unglück halten. Kam mir doch manchmal das ganze Unternehmen wie ein Versuch vor unsere Universitaeten – etwa nach französischem Muster – zu zerstückeln – was, wenn es geschehen ein Unglück für Deutschland wäre.

Ich schreibe Dir heute in besserer Stimmung, denn endlich gelang es mit || meiner Bryopsis weiter zu kommen; nun habe ich auch wieder berechtigte Hoffnung, dass es mir gelingen wird, hier die Arbeit abzuschliessen und sie Dir noch zur rechten Zeit für unsere Denkschriften zuzuliefern.

So weit darfst Du Dich aber nicht von Deinen Medusen tyrannisiren lassen als dass sie Dich an einer Osternreise verhindern sollten; übrigens würdest Du auch || den hiesigen Medusen sicher noch etwas zu finden haben – gestern sah ich reizende Siphonophoren, darunter die von Vogt in der Transfiguration abgebildete, in der Darse vor Villafranca, auch lange Salpenketten.

Suche etwas über Heidelberg zu erfahren.

Ich drück Dir herzlich die Hand

Dein E. Strasburger

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
28-01-1877
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12727
ID
12727