Strasburger, Eduard

Eduard Strasburger an Ernst Haeckel, Genf, 1. Oktober 1872

Genf d. 1/10 72

Pension Wallner

Quai des eaux vives 88.

Theurer Freund!

Ich denke meine Ferien dieses Mal nach Kräften auszunutzen und werde erst gegen den 20sten d. M. in Jena sein. Wir haben 5 Wochen in Luzern zugebracht und weilen nun schon seit 8 Tagen in Genf mit der Absicht noch 14 Tage hier zu bleiben. Ob Dich wohl mein Brief || in Jena antreffen wird? ich wünschte dies wäre nicht der Fall d.h. Deine Arbeit sei vollendet und Du hättest Dir und Deiner lieben Frau auch noch einige Wochen Ferien, etwa in Dresden, gegönnt. Im nächsten Jahre hoffe ich Dich zu einem längeren Aufenthalt in der Schweiz zu bereden; man kann sich hier wirklich noch sehr wohlfeil einrichten. Wir haben in Luzern in || einer herrlich situierten Pension gewohnt und zahlten alles in allem 17 fr. täglich, d.h. für meine Frau und für mich à 5 fr., die Kinderfrau 4 fr., die Kinder zu 1½ fr. Billiger können wir wirklich auch in Jena nicht leben.

Ich hätte schon lange an Dich geschrieben, doch es fehlte mir an eigentlicher Veranlassung, auch jetzt thue ich dies nur aus innerem Bedürfnis ohne Dir sonst etwas von Bedeutung mittheilen zu || können. Wir führen hier eben das reine Schlaraffenleben! Nur in den ersten Wochen habe ich etwas gearbeitet und mein Azolla-Manuscript fertig gemacht, gestern erhielt ich hier bereits den ersten Correcturbogen. Jetzt lese ich Zöllner und Griesebach’s Pflanzengeographie. Ich habe de la Rive hier aufgesucht, er macht aber augenblicklich nichts mehr; Fola ist in Berlin, es soll ihm besser gehen, doch neigt er zur Melancholie.

Ich drücke Dir herzlich die Hand und freue mich aufrichtig Dich bald wiederzusehen, viele Grüße von mir an Deine Frau und von meiner Frau an Euch beide.

Dein Dir in Freundschaft ergebener

E. Strasburger

a irrtüml.: Foll

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
01-10-1872
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 12720
ID
12720