Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Jena, 21. September 1890

Jena, 21.9.1890

Hochverehrter Herr Professor!

Herzlichsten Dank für Ihren lieben Brief, der uns doppelt freudig berührt, da es uns auch aus langer, zweifelnder Stimmung in das reine Aethermeer der Freude versetzt.

Unsere Lust, unter Ihrer Führung und Ihrem Schutze unser altes Amsterdam wiederzusehen, war von Woche zu Woche in steigende Progression gewachsen, bis auf einmal – vor etwa 1 Woche – ein Brief der Frau Weber aus Amsterdam (Frau des Zoologen) ein jähes Ende machte, da er meldete, daß erst in der 2. Hälfte des October Ihre Bekrönung stattfinden sollte. Diese späte Zeit hieß für uns Resignation auf Alles, da wir, insbesondere auch mit Rücksicht auf meine Frau, spätestens am 18. X. in Jena zurück sein müssen, also der Endtermin für Amsterdam für uns auf den 16. X. gefallen wäre. ||

Der 1. und 2. October dagegen passt uns herrlich und von Herzen wünschen und hoffen wir, dass Ruges Angaben die neuesten und praecisesten sind. Übrigens hatte ich auch mein Staunen über die angegebene späte Zeit, die auch mit Rücksicht auf den Ehrengast, der doch noch was von Holland geniessen und nicht vor Thorschluss in Jena sein will, möglichst ungeschickt gewählt war.

Meiner Frau, die noch in Mannheim ist aber in der Mitte dieser Woche zurückkommt, wird auch ihre Kunde trostreich in die Ohren klingen. Wie schön können diese Tage mit Ihnen und Ihrer Frl. Tochter für uns werden!

Webers, die vor ein paar Wochen Mannheim passirten, haben uns eingeladen, bei Ihnen zu wohnen. Meine Frau hat gern angenommen. Von Ruges hörte ich ausser einer kurzen Karte nichts Näheres. Aber beide Familien freuen sich ungeheuer auf Ihr Kommen. Hubrecht, der im October || auf 1 Jahr nach Insulinde will, wird hoffentlich noch da sein, wenn das Fest auf Anfang October fällt.

Webers erkundigten sich bei meiner Frau, ob vielleicht auch Stahl mitkäme. Wenn ich nur wüßte, wo er wäre, wie gern wollte ich ihm zureden! Vielleicht, wenn er von Ihnen hört, dass er Ihrem Rufe unverzüglich folgt.

Dass Ihr Schweizer Aufenthalt nach hartem Anfange doch gut und glücklich verlaufen, freut mich sehr. Hoffentlich ist Ihrer hochverehrten Frau Gemahlin Alles bestens bekommen und ein guter Herbst und Winter die Errungenschaft dieser Reise.

Wir waren nicht ganz 14 Tage (bis zum 16. Aug.) im Wallis, trafen dort viel Schnee, aber hatten auf dem Riffelhaus bezaubernde Tage, von einer Schönheit, wie ich sie noch nie in der Schweiz genossen. Ich bin dann schnell nach Jena zurückgereist, wo es anfangs grauenhaft trüb und kalt war. Aber auch hier ist mit dem September herrlichstes Wetter eingezogen, Beleuchtung- || gen und Luftwirkungen, wie sie die Schweiz auch nicht schöner hat. Jena ist und bleibt eine Perle; glücklich, wer sie genießen kann!

Hier ists noch ausserordentlich still; kaum sah ich 6 Collegen. Die Strassen still und verlassen; das Städtchen ruht halb wie im Traume und gut arbeiten kann man da.

Die Einlage ist an Pohle bereits abgesandt.

Herzlichen Dank nochmals, viel gute Wünsche für die weitere Reise und hoffentlich ein baldiges und recht fröhliches Wiedersehen im Rheindelta. Ihrer Frl. Tochter bitte ich mich recht vielmals zu empfehlen.

Mit den herzlichsten Grüssen

Ihr ganz ergebener

M. Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-09-1890
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1245
ID
1245