Suttner-Kinsky, Baronin Bertha von

Bertha Baronin von Suttner-Kinsky an Ernst Haeckel, o. O., 7. Januar 1892

am 7.1.1892

Mein hochverehrter Herr.

Mit Ihrem Brief, den ich vom Kapitol herab verlesen, den ich in den Wiener Blättern veröffentlicht, haben Sie mir eina königliches Geschenk gemacht und der edlen Sache eine große Förderung angedeihen lassen ‒ seien Sie mir aus ganzer Seele bedankt!

Daß Sie mir vor Jahren ein zugeschicktes Buch nicht mit einem Schreiben erwidert haben ‒ wofür Sie sich in Ihrem letzten Brief so liebenswürdig entschuldigen ‒ ist ja doch ganz natürlich. Wenn man so beschäftigt ist wie Sie, wird man doch nicht jede von unbekannter Seite kommende || literarische Sendung beantworten sollen; das hatte ich auch gar nicht erwartet; auch gelesen zu werden hatte mein Buch nicht erwartet; nur die angestrichene Stelle wollte ich ‒ meine kleine Huldigung ‒ unter Ihre Augen bringen.

Etwas würde ich Sie aber doch noch bitten, verehrter Meister! Ich weiß, daß Sie in einem Ihrer Bücher etwas gegen den Krieg geschrieben haben ‒ wollten Sie mir diese Stelle namhaft machen, damit ich Sie in meiner Zeitschrift „Die Waffen nieder“ zitiren könnte? Um einen direkten Beitrag wage ich gar nicht zu bitten. ||

Sie werden mit Interesse aus beifolgendem Ausschnitt entnehmen, daß unsere österreichische Friedensgesellschaft lebt und blüht. ‒ Nun muß sich auch noch eine in Deutschland bilden, damit beim künftigen Congreß in Bern Deutschland nicht unvertreten bleibe.

Und nun seien Sie mir nochmals tausendfach bedankt und glauben Sie an die tiefe Verehrung und Bewunderung, welche Ihnen aus Herzensgrunde zollt

Ihre ergebene

Bertha v. Suttner

a korr. aus: einen

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
07-01-1892
Entstehungsort
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 12448
ID
12448