Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Amsterdam, 9. März 1888

Amsterdam, 9.3.88.

Hochverehrter Herr Professor!

Haben Sie herzlichen, innigen Dank für Ihren lieben Brief, die gütige, freundschaftliche Gesinnung, die aus ihm spricht, und die wohlwollenden Bemühungen, die Sie zu meinem Besten unternommen haben. Das Alles und Ihre gütige Anerkennung meiner bescheidenen Leistungen macht mich sehr glücklich und ist mir von bleibendem Werthe.

Der Ihnen gesandte erste Theil enthält nur einen Theil der Vorarbeiten für die Ergebnisse des Allgemeinen Theiles. Er kann somit nicht als Maaßstab für die Fragen dienen, die ich mir gestellt und zu beantworten gesucht habe. Allein, für sich genommen, beweist er blos, daß || ich getreulich im Detail gearbeitet habe, kann aber auch den Eindruck erwecken, dass ich meine Zeit unnütz mit Specialitäten vergeudet. Für eine solche Auffassung wird der 2. Theil, dessen Ausarbeitung mir zu Zeiten, namentlich da, wo sie sich über das Deteil erhob, grossen Genuß gewährte, als Corrigenz dienen. Hoffentlich wird er noch rechtzeitig erscheinen. Seine Überreichung an den Director des hiesigen zoologischen Gartens ist für Anfang Mai in Aussicht genommen. Wenn mich der Drucker nicht im Stich lässt, kann er in der ersten oder zweiten Woche des Mai in Ihren Händen sein.

Und dann bin ich zugleich frei, frei für andere Arbeiten, die den wahren morphologischen Centren näher kommen und mir wie lange schon als fernes gelobtes || Land vorschwebten!

Und Jena! Meine Frau und ich leben und weben in dieser Hoffnung und so ertragen wir leichter die klimatischen Beschwerden, die uns namentlich jetzt der Übergang von Winter zu Frühling zufügt. Sollte sich wirklich unser Wunsch erfüllen, könnte ich dereinst in jenen Räumen arbeiten und wirken, wo einst mein geliebter Lehrer weilte und die ich mir noch von seinem Genius erfüllt denke, neben Ihnen, im Genusse Ihrer gütigen Freundschaft und den herrlichen geistigen Anregungen, die Sie mir gewähren würden, neben Müller und so manchem anderen verehrten einstigen Lehrer, ein dankbarer Schüler und College zugleich, auf Deutschem Boden, und in Natur, Berg und Wald, – gern will ich alle die Beschwerden ertragen haben, || die mir ein feindliches Klima Jahre lang zufügte.

Noch glaube ich nicht an die Erfüllung dieser Träume. Ich habe zu viel Hoffnungen schon begraben müssen, um noch einer neuen ernstlich Raum zu geben. Aber Ihre gütige Gesinnung und die Kenntniß Ihrer wohlwollenden und gütigen Bemühungen habe ich als festen Besitz, den keine Macht der Welt mir rauben kann.

Haben Sie vielen Dank dafür!

Ihr treu ergebener

Max Fürbringer.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
09-03-1888
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1242
ID
1242