Fürbringer, Max

Max Fürbringer an Ernst Haeckel, Mannheim, 21. April 1881

Mannheim, 21.4.81.

Hochgeehrter Herr Professor!

Vielleicht bringt Ihnen mein Brief blos eine Wiederholung dessen, was Sie bereits wissen; vielleicht aber auch dient er dazu, Sie über die momentane Situation im Befinden unseres hochgeehrten und innigst geliebten Gegenbaur aufzuklären und etwaige Ihnen von anderer Seite gewordenen beunruhigenden Mittheilungen auf den wahren Sachverhalt zurückzuführen. Dieser Wunsch mag mich bei Ihnen entschuldigen.

Professor Gegenbaur hat vor etwa 3 Wochen eine Gesichtsrose acquirirt, die nach ziemlich heftigem Verlauf am Ende der 2. Woche in allmählige Heilung überzugehen schien. Da entwickelt sich am Ende der vorigen Woche eine anfangs unbedeutende Pleuritis, der sich am || vorigen Montage eine acute Nephritis zugesellte, die am Tage darauf, also vorgestern, sich zu lebensgefährlicher Intensität steigerte. Das Befinden war damals ein äusserst beunruhigendes und, wie das in solchen Fällen gewöhnlich geht, die Gerüchte übertrieben noch den Zustand. Seitdem ist aber entschiedene Besserung eingetreten, so dass – wenn nicht neue unerhoffte Complicationen eintreten – alle Hoffnung für eine stetig wenn schon sehr langsam fortschreitende Besserung besteht.

Ich bin seit 8 Tagen hier, habe natürlich Prof. G. nicht selbst sehen können, bin aber wohlberichtet durch Prof. Arnold und Knauff und kann Sie bezüglich der Behandlung des Patienten – die von Friedreich und Knauff in unermüdlicher Ausdauer und Vorsicht geleitet wird – vollständig beruhigen. Die arme Frau Gegenbaur ist natürlich furchtbar mitgenommen, doch hat sie sich aufrecht erhalten.

Meine Ferienzeit läuft leider schon in wenigen Tagen ab und es wird mir recht schwer, gerade jetzt wieder nach Holland zu gehen. Aber ich kann doch wenigstens die Hoffnung auf || Besserung und Genesung meines geliebten väterlichen Freundes und Lehrers mitnehmen.

Hoffentlich geht es Ihnen und den Ihrigen recht gut. Zugleich gestatten Sie mir, Ihnen – wenn schon verspätet aber recht aus dem Herzen kommend – meinen innigsten Dank für Ihr mir kürzlich bewiesenes gütiges Wohlwollen nun auch schriftlich zu wiederholen.

Georg Ruge (Gegenbaurs Prosector) bittet mich Ihnen seine besten Empfehlungen auszurichten.

Mit den besten Grüßen und Wünschen

Ihr treu und dankbar

ergebener

Max Fürbringer

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
21-04-1881
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 1236
ID
1236