Weiß, Ernst

Ernst Weiß an Ernst Haeckel, Saarbrücken, 17. September 1862

Lieber Freund!

Von der Saar bis an die Spree ist ein so weites Stück, daß ich laut rufen muß, um mit dem, was ich Dir heute zu sagen habe, verstanden zu werden und auch noch durch den Lärm, der Dich jetzt umgeben wird, durchzudringen. Aber ich hoffe, daß sich eine ruhige Minute einmal einstellen werde, welche durch das Lesen dieser Zeilen ausgefüllt werden kann. So rufe ich Dir denn mit der lautesten Stimme, welche meine Feder auszudrücken vermag ein herzliches

Glück auf

zu – nicht blos für den langen ersehnten Hochzeitstag, sondern für Dein ganzes ferneres Leben, das Du jetzt antrittst. Hoffnungen darf man ja in mancher Beziehung haben und grün möge dieser Hoffnungsbaum bleiben bis in so späte Zeiten, wie sie Dein Vater erlebt.

Der Grund dazu ist gelegt, zunächst durch die Jenaer Professur, zu der ich Dir zugleich hiemit herzlich Glück wünsche; aber der Grund ist gelegt auch in anderen Dingen, durch das was Dir zunächst diese Professur, welche immerhin || noch der Verbesserungen fähig ist, verschafft hat, ich meine die bisher von Dir entwickelte Thätigkeit. Diese Ursachen sollen leben und mögen fortwirken zu einer verbesserten und vermehrten Professur.

Wenn aber Dein Glück so in der gewünschten befriedigenden Weise sich fortentwickelt, dann bitte ich – so leicht das Gegentheil auch eintreten kann – doch Deines bisherigen Freundes mitunter noch zu gedenken, an den freilich auch nicht einmal ein äußeres Zeichen erinnern wird.

Deinen Eltern und Deiner Braut – bald Deine Frau – bitte ich mich herzlich zu empfehlen

Und nun noch

Glück auf die Reise!

Mit den besten Wünschen

Dein Freund von früher u. immer

Ernst Weiß.

Saarbrücken d. 17. Sptbr. 1862.

P.S. Deinen Brief u. seinen wissenschaftlichen Inhalt will ich im Anfang des nächsten Semesters nach Jena beantworten. W.

 

Briefdaten

Verfasser
Empfänger
Datierung
17-09-1862
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
A 10431
ID
10431