Sachsen-Meiningen, Georg II., Herzog von

Georg II., Herzog von Sachsen-Meiningen an Ernst Haeckel, Meiningen, 15. Februar 1909

Meiningen 15 Feb. | 1909

Lieber Häckel!

Von ganzem Herzen wünsche ich Ihnen zu Ihrem morgen wiederkehrenden Geburtstage alles Gute und alles Glück, das Sie erfreuen kann, vor allem Gesundheit, um die Ruhe, welche Sie sich erwählt haben, bis in Medusalemʼs Alter froh und ungetrübt genießen zu können. Nach einem Leben voll solchʼ ungeheurer Arbeit und solchʼ eminentem Erfolge muß jeder Einsichtige Ihnen gönnen, der Last der Vorlesungen enthoben zu sein, alle Ihre Freunde und Anhänger werden aber den Schritt, den Sie || für nothwendig gehalten haben zu thun, mit tiefer Wehmuth begleitet haben und so thue ich es aus betrübtem Herzen! Verliert doch unsere Universität durch Ihren Rücktritt einen Nimbus, um den alle anderen sie beneideten.

Wegen meines Conterfeiʼs habe ich gleich Schritte gethan: Mein Sohn Ernst ist von München nämlich auf eine Reihe von Tagen hierhergekommen und hat Aufnahmen von mir gemacht zu einem Portrait, das, wiewohl es erst später fertig werden wird, ich mir erlaube, Ihnen zum Geburtstage für Ihr Museum zu verehren. Ich hoffe, daß Sie mita dem Werke zufrieden sein werden, meiner Meinung nach war die Hauptskizze sehr gelungen. ||

Wir gedenken auch dieses Jahr wieder nach Cap Martin bei Menton zu gehen, wo wir seit 13 Jahren mit einer Ausnahme (Corsica) jährlich waren. Vielleicht sehen wir Sie dort, was wunderschön wäre.

Mit allerbesten Wünschen für Ihr Wohl und mit herzlichsten Grüßen für Sie und Ihre Frau Gemahlin bin ich, lieber Häckel,

Ihr

Sie tief verehrender

und Ihnen herzlich ergebener

Georg

a eingef.: mit

 

Briefdaten

Empfänger
Datierung
15-02-1909
Entstehungsort
Entstehungsland
Besitzende Institution
EHA Jena
Signatur
EHA Jena, A 10284
ID
10284